Winterrettich - der unscheinbare Aussenseiter


 Winterrettich-Salat mit Rahm und Schwarzkümmel

Er war das bewährte Hustenmittel meiner Oma. Der Rettich wurde ausgehöhlt, mit Kandiszucker und etwas Zitronensaft gefüllt. Der Saft, der sich nach einiger Zeit bildete wurde löffelweise eingenommen. Wenn wir Kinder nicht wussten, dass der Saft aus dem hässlichen schwarzen Rettich kam, schmeckte uns die Medizin sehr gut. Als Salat sorgte er für familiäre Diskussionen. Die Innviertel-Fraktion servierte ihn sehr fein gerieben, mit wässrig-zuckriger Marinade und mit Erdäpfeln gemischt zu Schweinsbraten, Grammelknödeln oder Geselchtem. Das gefiel der dominanteren Mühlviertel-Fraktion weniger, die schwor auf alle Varianten von Krautsalaten.

Aussen unscheinbar schwarz, innen strahlend weiss.

Heute führt er ein Schattendasein im ohnenhin bescheidenen Angebot an heimischen Wintergemüse. Man muss ihn suchen und man muss aufpassen, dass man kein altes, holziges Exemplar kauft. Wenn er zu lange oder falsch gelagert wurde, wird er bitter. Und man sollte sich ein Beispiel an den Japanern, Koreanern und Chinesen nehmen, die aus unscheinbarem Rettich (Daikon) in Kombination mit Ingwer, Reisessig und Sesam wunderbare und gesunde Gerichte zaubern können.

Asiatischer Rettich im Küchentanz:  
Asiatischer Rettich zu Blutwursttempura
Ingwer-Rettich zu Fischlaibchen
Ingwer-Radieschen , mariniertes Rindfleisch
 
Winterrettich schmeckt uns auch ganz unexotisch mit einer einfachen Marinade aus Sauerrahm, Weisswein- oder Mostessig, Salz und Zucker ganz hervorragend. Der Rahm mildert die Derbheit und leichte Bitterkeit dieses Gemüses zu einem fein-scharfen, fast eleganten Geschmack. Schwarzkümmel passt geschmacklich gut dazu und sorgt für gute Verdaubarkeit. 

Als Beilage zum Rettichsalat gab es ein dickes Bio-Schweinskotelett für zwei und gekochte Erdäpfel mit feinen Grammeln aus dem Speckrand des Koteletts.


Das Fleisch war sensationell gut in Geschmack und Konsistenz. Und als ich die winzigen Grammeln aus dem Speckrand briet, roch es unglaublich gut in unserer Küche. So wie früher bei der Oma, wenn sie Grammelschmalz ausgelassen hat, das in einem grossen Topf für sämtliche  Kinder der Nachbarschaft samt Bauernbrot und Ribisel-Himbeersaft immer zugänglich und reichlich vorhanden war.
Wer sagt, dass Schweinefleisch nicht gut riecht, hat noch nie ein gut aufgezogenes und gefüttertes Schwein am Teller gehabt! Das fein marmorierte Kotelett wurde nur wenig gewürzt (mit einer gemörserten Mischung aus Kümmel, Majoran, Salz und  Pimenton de la Vera, 2 Stunden mariniert) und langsam ca. 20 Minuten in der gusseisernen Pfanne gebraten.

Kommentare:

  1. Ich knuddel dich dafür, dass ich wieder was von dir lesen darf!
    Und ein Eline-Rezept, das ich mich direkt nachmachen traue - wobei ich mir nicht sicher bin, wie das mit dem Rettich-Salat geht, aber das find ich raus!

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    1. Ich habe kein Rezept geschrieben, weil es wirklich ganz einfach ist! Den Rettich reiben (wir mögen was zum Beissen, daher reibe ich ihn grob). Wenn er nicht zart genug ist: salzen und etwas zuckern, Wasser ziehen lassen, ausdrücken. Mit Sauerrrahm und bevorzugtem Essig verrühren, eventuell nachwürzen. Mit Schwarzkümmel bestreuen. Kann man auch mit normalem Bierrettich machen.

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  2. jawohl - alle Varianten von Krautsalat, das mögen wir zum Schweinsbraten ;-))
    Aber so einen Rettichsalat probier ich einfach mal, den ordere ich einfach beim nächsten Bio-Kistl!

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    1. Küchenschabe,
      die werden sich wundern, wenn jemand dieses Aussenseiter bestellt ;-).
      Zum asiatischen Schweinsbraten passt er auch gut: mit Ingwer in der Marinade.

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  3. Schön (dass du wieder schreibst)! Und zum Rettich, den gibt es bei uns in Hülle und Fülle... bin bislang immer begehrlichen Blickes davor gestanden und habe mich nicht getraut, ihn zu kaufen, weil ich nicht wusste, was tun mit ihm. Danke für die "Erlösung" ;-) Und das "blanke" Kotelette, hmm, zum reinbeissen! Notiz an mich: nicht vor dem Mittag hungrig Kochblogs lesen :-)

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    1. kochpoetin,
      beim Genuss dieses Schweines freuten wir uns schon auf die Grillereien an der Seemole ....

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    2. Habe übrigens vorhin einen schwarzen Rettich gekauft und werde berichten :-)

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  4. Hmmm, jetzt geht das wieder los mit den unterschiedlichen Bezeichnungen in A und CH und D. Was ist jetzt Winterrettich? Das selbe, wie diese Rüben hier?
    http://wildespoulet.blogspot.ch/2013/01/rubengemuse-mit-eglifilets.html

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    1. Wildes Hendl,
      das kommt davon, wenn man länger nicht bloggt, dann vergisst man auf das Wesentliche ;-) Ich habe das Foto zur Identifikation jetzt eingestellt. Es ist definitiv ein Rettich und keine Rübe.

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    2. Merci - alles klar. Schwarzer Rettich nennt sich das Teil bei uns.

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  5. Mmmmmmh - mir rinnt das Wasser im Mund zusammen!
    Und ich freu mich auch über deinen neune Eintrag.
    Liebe Grüße - Ingrid

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    1. Ingrid,
      ich freu mich ja, ehrlich gesagt, auch schon auf die ersten Radieschen. Aber jetzt passt der Winterrettich noch ganz gut zur Witterung.

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  6. wo bekommt man(n) nur so a schönes stückerl schweinderl her..... richtig gutes schweinefleisch in linz und umgebung zu finden is echt a schwieriges unterfangen.... hab zwar schon bei denn's biomarkt im lenaupark a koteletterl ausm mühviertl erstandn... aber najo... woar halt a a magere gschicht des ganze *ggg*... und des bioschweinefleisch vom spar... loss ma des lieber ... ;-) und da schwarze rettich is a gsunde beilage.... sehr fein!

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    1. Das Schwein ist von Andreas Hartl (Sonnhof-Filiale in der Arkade bzw. Südbahnhofmarkt. Nach einigen unbefriedigenden Versuchen mit Bio-Schwein von kleinen Produzenten, bin ich beim Hartl gelandet.Dort habe ich immer sehr gute Qualität bekommen, auch wenn mich stört, dass ich keine detaillierten Herkunfts-Informationen zum Fleischproduzenten bekomme.

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    2. ah ok... hartl kenn ich natürlich vom südbahnhofmarkt, hab aber dort noch nie schweinefleisch gekauft.. werd demnächst bei ihm vorbeischaun... es gibt auch onlineshops aus oö wo man mangalitzafleisch bekommt.. habt's bis dato aber noch nicht gewagt zu bestelln...
      des mit der fleischherkunft is für mich als endverbraucher schon wichtig.... möcht wirklich ka auslandsschweinderl am teller habn...
      danke für die info frau eline

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    3. Nur kein Missverständnis: alles Fleisch vom Hartl stammt von Mühlviertler Bio-Produzenten und wird im Mühlviertel geschlachtet. Ich hätte aber gerne auch noch Produzent und Fleischrasse gewusst.

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    4. hab auf der südbahnhofwebseite gsehn .. dass er zertifizierter bio betrieb is ... und er verkauf auch den von mir heißgeliebten innviertler prosciutto vom michlbauer.... den ich von meinem munderfinger uraltfreund stets mitgebracht bekomme...

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    5. Der Innviertler Prosciutto ist grossartig, stimmt!

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  7. Ich liebe diesen schwarzen Rettich. Vor einiger Zeit habe ich mal ein Eis daraus gemacht und zu Lachstatar serviert. Das war sehr fein.

    OT: weißt Du, dass Du in den Einstellungen eine Ansicht für mobile Geräte aktivieren kannst? ;)

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    1. At,
      ja, das weiss ich, mag ich aber nicht ;-) Das sieht so nach Facebook aus. Mir gefällt sowohl am iPhone als auch am iPad diese Version besser.

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  8. :)
    Ich bin so kurzsichtig. Deinen Blog lese ich dann nur noch mit Brille.
    :D

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    1. Komisch, ich finde die Schrift gar nicht so klein ????

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  9. Du hast die besseren Augen :)
    Der Reader im Browser ist ja auch sehr gut, nur die Kommentare werden nicht mit angezeigt, aber sonst die perfekte Lösung für mich :)
    *ächz*... das Alter...

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  10. Überraschung, da bist du ja schon wieder! Sehr schön.
    Bei mir im Garten unter Schnee und Eis warten schwarze Rettiche. Und ich komm nicht drann. Extra ein schöner Wintervorrat angebaut und dann glatt übersehen, festgefroren...
    Als Hustensirup kenn ich sie auch schon seit Kinderzeiten, Salat mag ich noch nicht so lange. Jetzt dafür aber sehr gerne. Am allerliebsten mit Kürbiskernöl. Schon einmal probiert? Mit Sauerrahm kenn ich's noch nicht. Werd's aber testen, wenn ich zu einem Rettich komme.

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    1. Versprochen ist versprochen! Ich freu mich auch, wieder da zu sein!
      Dass du den Hustensirup auch kennst, so alt bist du ja noch nicht :-))
      Zu Kernoel habe ich wahrscheinlich ein anderes Verhaeltnis als du, bei dir findet man es wahrscheinlich auch im Blut. Ich mag es schon, aber nicht allzu oft. Am liebsten zu Kaeferbohnen oder Endivensalat. Aber ich probier mal einen Rettichsalat damit, klar!

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  11. Ich bin eine regelmäßige Leserin dieses unvergleichlichen Blogs und koche hin und wieder ein Gericht nach bzw folge den wertvollen Tipps. Ein großes Dankeschön. Größtes Kompliment und ich freue mich riesig, dass es weiter geht.

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    1. Das freut mich sehr, liebe Anonym!
      Ich habe ja den Stein des Weisen fuer die Zukunft meines Foodblogs noch nicht gefunden, aber ich weiss immerhin schon, was ich nicht mehr machen moechte ;-)

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  12. Ich oute mich auch mal als anonymer Fan (w), die froh ist, dass es weiter geht :)
    Liebe Eline, ich habe dich schon bei chefkoch bewundert und lese seither auch deinen Blog.
    Mir würde etwas fehlen, nicht gelegentlich beim Küchentanz vorbei schauen zu können.
    Dein Umgang mit Lebensmitteln verdient m.E. sehr hohen Respekt. Auch wenn ich nicht wirklich viel von dir nachkoche, bleiben deine Rezepte und Posts eine absolute Inspirationsquelle für mich.

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    1. Und so viel Lob schon am Morgen, danke sehr, das motiviert!

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  13. Große, große Freude, dass es (schon) wieder von Dir zu lesen und lernen gibt. Mich beeindruckt vor allem Dein solides Wissen um Zusammenhänge und deren konsequente Umsetzung. Was sonst so schwer zu finden ist, wie wozu verwende ich griffiges Mehl und wo sollte man keinen Kompromiss eingehen, hier wird man fündig. Das macht Deinen Blog so spannend und unersetzlich für mich. Und mit altbewährten Hausmitteln wie heute geht mir sowieso erst recht das Herz auf.

    "Danke" für die Webversion auch am ipad. Durch die angepasste mobile Darstellung geht soviel verloren. Schade um ansprechend aufgebaute Blogs.

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    1. Eva,
      das freut mich, dass dir die Webversion auch besser gefällt. Effizienz ist nicht immer alles!

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  14. Da ist sie ja schon wieder *freu*

    Bei unserem Gemüsehändler gibt es den schwarzen Rettich immer und auch ansonsten findet man den hier oft, der wird hier auch recht viel angebaut.
    Auf die japanische Art esse ich ihn auch ausgesprochen gerne :-)

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    1. Britta,
      angebaut wird er oft. Ich find ihn nur nie auf den Tellern oder in den Rezepten. Ich weiss auch nicht, was man mitihm macht - exportieren nach Japan ;-)

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  15. Ich freue mich gleich doppelt, daß Du wieder da bist und den schwarzen Rettich vorstellst. Wir essen den im Winter auch gerne als ganz einfach gedünstetes Gemüse.

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    1. bushi,
      gedünstet habe ich ihn noch nie gegessen. Auch eine Idee ...

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