Friaulreise - es hat mich sehr gefreut ...




... soll der österreichische Kaiser Franz Josef, an dessen bröckelnden Vielvölkerstaat viele Friulaner auch heute noch verklärt zurückdenken, oft gesagt haben. In Giassico feiert man immer noch im August Kaisergeburtstag. Es gibt Kaiserfleisch und Kaiserschmarrn auf den lokalen Speisekarten in kleinen Dörfern, aber auch in der Grossstadt Triest, die einst ein österreichischer Meereshafen war. Auch wenn ich diese Nostalgie nicht teile und mit Monarchen nichts anfangen kann: es hat mich sehr gefreut, nach sieben Jahren wieder einmal im Collio zu sein.

Blick vom Monte Quarin bei Cormons in Richtung Slowenien

Erstmals im späten Herbst, bei schönstem Wetter und mit herbstlichen Genüssen, wie Kürbiscrespelle mit Ricotta Affumicata, Bohnensuppe mit Schwarzkohl und Scampi, Cima di Rapa-Flan, Rigatoni mit Walnüssen, Gorgonzola und Trevisiano, Wachteln in Schokoladesauce, mit Trüffeln geschmorter Rinderschulter, ....
Wir haben mit den Freunden, die erstmals im Collio waren, eine Autotour zu den für uns schönsten Plätzen gemacht, sind durch Maroni- und Steineichenwälder auf steile Hügel geklettert, entlang glitzernder Bäche gewandert, haben uns in einfachen Gasthäusern die Sonne auf die wohlig gefüllten Bäuche scheinen lassen. Haben in der winzigen und gemütlichen Küche unseres Ferienhauses die Tage nach vielen Eindrücken, gutem Essen, Wein und Grappa mit Tee ausklingen lassen und viel Spass gehabt.

Im Mummelhaus in Brazzano haben wir einfach, gemütlich und sehr günstig beim freundlichen Winzer Thomas Kitzmüller gewohnt (siehe Adressen unten).



Was hat sich in sieben Jahren geändert?
Das Collio hat sich zwar widerstrebend, aber doch, den Anforderungen des Wein-Tourismus ergeben. Gab es früher kaum Unterkunftsmöglichkeiten in den Weinbergen, hat man heute eine gute Auswahl an Agriturismo-Betrieben. Und sogar die kleinsten Weingüter haben heutzutage Hinweisschilder, auf denen sie Verkostungen anbieten. Wein boomt hier wie noch nie. 


Ob es ökologisch und ökonomisch sinnvoll ist, auch bis ins entlegenste Tal hinein neue Weinberge anzulegen, bezweifle ich. Aber es freut mich, zu sehen, wie eine Gegend, die vor 20 Jahren noch relativ ärmlich war, aufblüht. Wie alte, verlassene Häuser renoviert und Dorfplätze saniert werden. Mag auch manches etwas zu glatt wirken, der Charme des Collio und der zurückhaltenden Menschen hat mich auch diesmal wieder voll eingefangen. Im Frühjahr machen wir uns wieder auf den Weg. Und nächste Woche gibt es ein kleines friulanisches Herbstmenü mit den mitgebrachten Weinen für neue italophile Gäste.




Garten des Restaurants Aquila d'Oro

Adressen dieser Reise:

Siehe Text oben. Die Weine haben auch ein sensationelles Preis-Leistungsverhältnis.

Gleich nebendem Weingut Kitzmüller.
Schöne Zimmer, gutes friulanisches Essen und Weine (gehört zum benachbarten Weingut Livio Feluga)

Kleines Weingut mit Weltklasse-Weinen. H hat dazu einen Artikel gebloggt (in Englisch).

Edles Ambiente, 1 Michelinstern, feine, regionale Küche mit Traditionsbewusstsein, einer der besten Weinkeller Italiens. Wer die besten friulanische Weine, altbekannte und Newcomer kennenlernen möchte, sollte sich auf das umfassende Wissen von Giorgio Tuti verlassen und glasweise zum Essen degustieren. Einer meiner Genussplätze seit vielen Jahren.

Gutes friulanisch/slowenisches Essen, schöner Wiesengarten am Hügel von San Floriano, freundlich und preiswert.



Kein klassischesr Wanderführer, sondern ein Buch das auch zum Bewandern von  weniger romantischen Zielen animiert. Auch für Nicht-Wanderer, die an der neueren Geschichte der Menschen im Friaul interessiert sind, empfehlenswert.


Altösterreichische Familiengeschichten  aus dem Friaul mit vielen historischen Fotos.
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