Flussbarsch, Zander und meine Freundin, die Donau

Flussbarsch, Petersil-Erdäpfel, Korianderwürzbutter

Sonntag, 11:15, 5 Minuten vor der Abfahrt zu einem Familienbesuch. Anruf des Feinkost-Händlers K: 
Hole gerade frisch gefangene Donaufische ab, soll ich dir welche vorbei bringen? 
Ja, klar, immer, am besten alle! Aber ich muss dringend weg und komme erst am Abend wieder! 
OK, ich friere für dich 2 Zander ein und bringe sie am Mittwoch mit der Standardlieferung.
Danke, bist ein Schatz!
Montag morgens, Anruf K:
Ich fahr gerade nach W und fast bei dir vorbei, die Fische hab ich noch frisch auf Eis im Wagen, darf ich vorbei kommen?
No na, klar, durfte er das! Und ich kaufte die zwei bestellten Zander und extra noch zwei Flussbarsche, weil sie für mich  so ziemlich die besten und schönsten Süsswasserfische sind. 


Die Zander wurden filetiert, mit V-Schnitt schnell von den Gräten befreit, vakumiert und eingefroren. Aus den Karkassen wurde ein Fischfond. Die zwei kleinen, mit ihren orangen Flossen überaus entzückenden Flussbärschlinge ladeten frisch in der Pfanne. Geköpft, weil ich sie sonst nicht in meine ideale Bratpfanne bringe, mit Küchenschere von den gemein stechenden, aber schönen Rückenflossen befreit, in griffigem Mehl gewutzelt und nur in der Bauchhöhle gesalzen. Dazu gab es schlichte Petersilienerdäpfel, meine Korianderwürzbutter und (völlig überflüssigen) grünen Salat. 





Und wir genossen einen 2011er Grauburgunder 
Reserve Zistel von Malat aus Palt dazu.

Was für ein Genuss, der rein aus der Qualität der Produkte und Zutaten resultierte! Kein elaboriertes zwölfgängiges Dreisterne-Menü kann mit diesem perfekten Esserlebnis konkurrieren. Es gehört auch viel Glück und Zufall dazu, wenn sich alle Komponenten so harmonisch ergeben, wenn Verfügbarkeit und Essenslust genau im richtigen Moment aufeinander treffen. 
Es muss nicht immer Wels, Huchen, Hecht, Zander und Barsch sein. Auch die wegen ihrer Gräten oft missachteten Weissfische (Rotfeder, Blaunase, Zingerl) sind ganz wunderbare Geschenke der Donau.

An so einem grossen, prägenden Fluss zu leben ist etwas Besonderes, auf das ich nicht verzichten möchte. Die Donau gehört zu meinem Leben, sie ist meine Freundin. Ich erlebe sie seit meiner Kindheit als starken, lebendigen Organismus. Freundlich, wenn ich im Sommer in ihr schwimme, unter einer Weide an ihrem Ufer sitze oder den Treppelweg entlang durch die Auwälder laufe. Und bedrohlich, wenn sie über die Ufer tritt. Aber sie eint dann auch die Gemeinschaft, so eng rücken wir Anwohner nie  zusammen, wie im Kampf gegen Schlick und Wassermassen. 

Während ich gerade aus dem Fenster schaue, sehe ich, wie eines der vielen Donau-Kreuzfahrtschiffe am gegenüberliegenden Ufer anlegt. Die Passagiere werden neugierig in die Stadt an der Donau ziehen. Und wenn sie hungrig sind und gerne Fisch essen, bekommen sie in den Restaurants an der Donau Lachs, Makrele und Pangasius serviert.
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