H. war letzte Woche in eines der höchstgelobten Restaurants in Österreich eingeladen. Meinen unbarmherzigen Verhör, wie es denn so geschmeckt hat, entzog er sich mit indifferenten Gebrumme und letztlich kam nur eine klare Aussage: "Das Gericht mit den Schwarzwurzeln hat mir geschmeckt".
Da war ich animiert, wieder mal ein Schwarzwurzel-Gericht auf den Tisch zu bringen. Sie haben für mich ungefähr den gleichen Stellenwert wie Kürbis: Ein-bis zweimal in der Saison ist gut, aber öfter nicht.
Schwarzwurzeln fristen ein Schattendasein. Sei es wegen ihrer unscheinbaren, geradezu schmuddeligen Gestalt, sei es wegen der Horror-Geschichten, die über die Schäl-Prozedur verbreitet werden: schwarze, verklebte Finger, mehl-kleisteriges Wasser, verfärbtes Geschirr, ...
Dabei sind Schwarzwurzeln mit einem scharfen Gemüseschäler schnell geschält. Ich zieh normalerweise dafür Einweghandschuhe an. Diesmal hatte ich nur mehr einen Handschuh auf Vorrat. Die zweite, ungeschützte Hand war aber schnell mit etwas Scheuermilch wieder sauber geschrubbt. Statt Mehl nehm ich Ascorbinsäure für das Wasser, so bleiben die Stangen besonders schön hell. Keine Hexerei, das Schwarzwurzel-Schälen!
"Winterspargel" werden die Schwarzwurzel wegen ihrer Form genannt. Geschmacklich und in Konsistenz sind sie von Spargel aber sehr weit entfernt - Ach, wie freue ich mich schon auf die Spargelzeit!
Ein Schwarzwurzelrisotto mit feinen Scheibchen dieses Gemüses ist mir nicht in bester Erinnerung. Auch als Püree oder Cremesuppe haben haben sie was Indifferentes: süsslich, ein bisschen fade. Aber sie haben eine feine Konsistenz: richtig gelagert und gekocht sind sie schön knackig und fest. Schwarzwurzeln zeigen daher ihre wahre Stärke, wenn man sie möglichst wenig zerkleinert.
Gebackene Schwarzwurzeln mit Clementinen-Sesam-Mayonaise
Zutaten für 2 Vorspeisen-Portionen:
400 g Schwarzwurzeln, geschält
1, 5 l Wasser
1 geh. TL Salz
1 geh. TL Zucker
Panier:
2 EL Mehl
1 verquirltes Ei mit Salz und Muskatnuss
3 geh. EL geriebene Mandeln oder Haselnüsse, geschält
2 geh. EL feines Mie de pain
Pflanzenöl zum Backen
Clementinen-Sesam-Mayonaise:
4 El frisch gerührte Mayonaise
2 EL Joghurt
1,5 geh. EL gerösteter und gemörserter Sesam
2 EL Clementinensaft
etwas Clementinenschale
1 Prise Safran
2 TL fruchtige Chilisauce
1 Spritzer Sojasauce
1 Sprizer geröstetes Sesamöl
Salz
grüne Blättchen (Salat, Radieschen, Spinat, ...)
Nussöl-Vinaigrette
zerpflückte Clementinen-Segmente
Zubereitung:
Mayonaise mit den anderen Zutaten verrühren. Mindestens 30 min ziehen lassen.
Schwarzwurzeln schälen, in kaltes Wasser mit einem TL Ascorbinsäure legen. In Wasser, Salz, Zucker ca. 10 Minuten bissfest kochen. Abschrecken, trockentupfen.
In Mehl, Ei und Nussbröseln nicht zu dick panieren. Ca. 5 min in neutralem Pflanzenöl goldbraun backen. Auf Küchenkrepp abtropfen lassen.
Mit marnierten Salatblättchen und Clementinen-Segmenten garnieren.
Fazit:
Dieses Gericht mache ich ganz sicher mal mit anderen Gemüsesorten (Kohlrabi, Karfiol, Grünspargel, Sellerie, ...). Und die Mayonaise war wirklich köstlich und eignete sich heute auch als Unterlage für die Jausensemmerl mit geräuchertem Weissensee-Saibling.
Wein:
Ein Pfälzer Riesling, 2007 "Idig" vom Weingut Christmann.



