Krankenhausessen im Test - besser als der Ruf?


So gute Braterdäpfel gab es klarerweise im Spital nicht. Aber gutes Erdäpfelpüree und schmackhafte Salzkartoffeln, besser als in manchem Restaurant!
 
Ich war zu Gesundheitschecks in zwei Linzer Krankenhäusern. Da ich erfreulicherweise kaum krank bin, hatte ich keinerlei Erfahrung mit dem dort angebotenen Essen. Aber ich hörte immer wieder das Gejammere von Bekannten, beim Friseur, in der Sauna, wie schrecklich der "Krankenhausfrass" doch sei. 
Umso angenehmer überrascht war ich als ganz normale Patientin (ohne Sonderklasse!), wie verhältnismässig gut das Essen in beiden Spitälern war. Ich bin ja wahrlich eine sehr "hagliche" Esserin, aber ich fand kaum was zum meckern. Denn mir ist klar, dass so ein Massen-Essen nicht extravagante, individuelle Bedürfnisse berücksichtigen kann. Aber die Hauptspeisen waren durchaus besser als manches, das ich in der durchschnittlichen Gastronomie vorgesetzt bekomme. Nur Suppen und Salatmarinaden waren nicht zufriedenstellend.
Es gab in beiden Spitälern 4-5 Wahlmenüs, was ich für übertrieben halte. Das hier investierte Geld könnte man in bessere Teequalität (Kaffee trinke ich nicht, er roch aber erbärmlich schlecht) investieren, die gesparte Arbeitszeit in bessere Suppen und Salatmarinaden.
Ich habe mich fast ausschliesslich an fleischlose Menüs gehalten. Die Linzer Spitäler sind zwar stolz darauf, regionale und  saisonale Produkte und oft auch Bioqualität zu verarbeiten (so gab es Bio-Butter zum Frühstück, das hätte ich in manchen Hotels auch gerne).  Aber bei Fleisch und Wurst in Grossküchen bin ich besonders skeptisch, was Tierhaltung und Qualität betrifft. 
Ich habe wirklich gute Lauch-Käse-Nockerl, geschmackvollen gebackenen Karfiol mit Sauce Tartar, einen feinen Gemüsestrudel mit Kräutersauce, flauschige Serviettenknödel mit Schwammerlsauce und sensationelle gefüllte Eier auf Gemüsesalat, sowie einen geradezu idealtypischen Topfen-Gries-Auflauf mit Himbeersauce gegessen. Und die Beilagen-Erdäpfeln (sahen nicht nach Convenient aus, dazu waren sie zu unregelmässig geschält) waren immer genau richtig gekocht und von gutem Geschmack. Als Nachspeisen gab es frisches Obst oder nicht zu süsse Topfencremen.
Ein Krankenhaus hatte sogar hübsches sonnengelbes Geschirr, das einen Hauch Urlaubsflair in das Zimmer brachte.
Warum jammern aber so viele über Krankenhausessen? Noch dazu Leute, deren privates Essverhalten sich nicht gerade durch Gourmetanspruch auszeichnet?
Ich vermute einerseits übertriebenes Anspruchsdenken (ich zahl ja eh so hohe  Beiträge!), das sich häufig auch als unhöflicher und herrischer Umgang mit dem Krankenhauspersonal bemerkbar macht. Und andererseits glaube ich, dass viele Menschen mit einfachen, traditionellen, nur aus saisonalen Produkten gekochten Gerichten nicht mehr zufriedenzustellen sind. Wahrscheinlich kämen Automaten mit Fertigpizzen, Hamburgern und trendigen Snacks bei den Leuten besser an. Ich aber mit meinen eher altmodischen Ansprüchen war mehr als zufrieden.

Kommentare:

  1. Vielleicht ist auch ein Grund, dass es den meisten Leuten ja schlecht geht, wenn sie im Krankenhaus sind. Und wenn es einem nicht gut geht, schmeckt auch das Essen nicht - obwohl es eigentlich gut wäre.
    Bei uns isst man jedenfalls in den Krankenhäusern auch gut, in unserer Kleinstadt sogar hervorragend. Die Köche unseres Krankenhauses holen regelmässig Preise bei Kochwettbewerben.

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  2. Wilde Henne,
    das glaub ich eher weniger. Denn die Buffets, wo man Fastfood und Leberkäsesemmeln (und Bier)bekommt,werden stark von Patienten frequentiert.

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  3. Das sich verändernde Essverhalten beobachte ich hier in Hamburg auch regelmäßig irritiert (seien es Asia-Nudel im Stehen in der U-Bahn verschlungen, Fleischberge türkischer an Stehtischen an Hauptverkehrsstarssen eingefahren oder einfach nur Backwerk aus der Hand im Gehen genossen). So kann und mag ich nicht essen. Und ja, vielleicht ist vielen eine gut gegarte Kartoffel zu "langweilig" und über's Essen meckert es sich bekanntlich am leichtesten... hoffe, es geht dir gut (wegen des Krankenhausaufenthalts).

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    1. kochpoetin,
      danke, ich bin wieder gesund. "So kann und mag ich nicht essen" - wie rcht du hast, ich auch nicht!

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  4. Ich war auch gerade für eine Woche in einer Klinik. Du hast recht: Die Suppen haben nichts getaugt, das andere war partiell "convenient", aber auch deutlich sicht- und schmeckbar direkt im Haus gefertigt. Das beste Essen hatte ich nach der Koloskopie: frische, dünne Pfannkuchen, gefüllt mit Cherrytomaten und Mozzarella, dann wohl kurz in einem Salamander erhitzt, damit der Käse schmelzen kann. Dass es mir richtig gut geschmeckt hat, lag sicher nicht nur am 24-stündigen Hungern. Übrigens: Nach einem Blick auf die Speisekarte zu Beginn des Aufenthalts war auch für mich klar: Alles bitte ohne Fleisch.
    Obwohl wieder zu Hause, grüße ich trotzdem fröhlich von Bett zu Bett.

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    1. Thea,
      bei meinen zwei Testkandidaten war auch ein Teil,des Gemueses TK, aber sehr viel sichtbar aus frischen regionalen und saisonalen Gemuesen gemacht.
      Danke fuer die Gruesse, im Bett war ich nur nachts ;-)

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    2. Icke ooch... ;-o) An einem Sonntag war ich sogar einen halben Tag zu Hause - war nur um die Ecke, und ich hatte keinen Nerv mehr für Dauerplaudereien; außerdem wollte ich in meiner Wanne liegen, laut Musik hören. Auf dem Rückweg in die Klinik war ich dann in meinem gastronomischen Wohnzimmer, nur ein paar Schritte, köstlich speisen und konnte so das wurstig-käsige Abendessen in der Klinik umgehen.

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  5. Genau andersrum bei mir.
    Ich muss jedes Jahr für 3 Tage zu einer umfassenden Nachkontrolle ins Krankenhaus und freue mich immer schon auf die Suppen. Mein Brot fürs Frühstück und Abendessen bringe ich mir inzwischen lieber mit.
    Richtig unzufrieden war ich noch nie..doch die Wurst, die immer so auf dem Teller rumlappert, die geht gar nicht!

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    1. Sybille,
      Wohlschmeckende Suppen waeren ja eine ideale, leichte Krankenkost. Mein ezwei Spitaeler waren da nicht so gut wie deines.
      Brot: auch am Sonntag gab es gute Semmerl, ein Spital baeckt seine Fruehstueckskipferl selbst - sehr fein!

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  6. Im Krankenhaus war ich vor Ewigkeiten das letzte Mal, soo schlimm fand ich das Essen ehrlich nicht.
    Außerdem, wenn ich im Krankenhaus bin, hab ich da echt andere Sorgen, weil dann bin ich wirklich krank.
    Finde übrigens auch, die, die am schlechtesten kochen und wenig Wert auf ihre Essensqualität zuhause legen, schreien am lautesten ;-) nicht nur im KH, du sprichst mir mal wieder aus dem Herzen.

    In der Türkei ist übrigens wohl das Essen im Krankenhaus ausnehmend gut, dafür ist so gut wie keine Grundpflege vorhanden - da muss dann im Ernstfall ein Angehöriger 24 h bei dem Kranken sein und die hygienischen Zustände da sind teilweise ganz übel.
    Ich rede hier natürlich nicht von den Privatkliniken, in denen sich Ausländer ihre Augen lasern lassen und so ;-)
    Da sind mir unsere deutschen doch wesentlich lieber.

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    1. Britta,
      man sollte glauben, dass Mensch im Spital andere Prioritaeten hat. Das Essen ist aber ein ganz wichtiges Thema der Patientenkommunikation. Waren durchaus interessant, die Diskussionen :-)
      Anderswo:
      Ich habe gerade gelesen, dass italienische Spitaeler nur wenig zum Essen anbieten, weil man sich darauf verlaesst, dass die Angehoerigen Essen fuer die Patienten mitbringen. Ich bin froh ueber den Standard der oesterreichischen Gesundheitsversorgung.

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    2. Liebe Eline,
      schön dich zu lesen :-)
      Ich habe mal in einer Betriebskantine gearbeitet, da wurde täglich viel frisch zubereitet, tolle Salatbuffet´s usw.
      Was da gemeckert wurde...von Damen, die ich kannte.
      Die haben Kochen nur als Patzerei und Arbeit empfunden.
      Schimpfen ist leicht...
      Zum Glück war ich schon länger nicht mehr im KH, letzten´s nur einen Tag und da bekam ich eine wunderbare Kürbislasagne.

      LG Evelyn

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    3. Evelyn,
      Kantinenessen, das ist auch ein ähnliches Thema ....

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  7. Das ist wahrscheinlich ähnlich wie mit der Bahn. Das gehört einfach so, dass man drüber schimpft. Krankenhauskost musste ich glücklicherweise noch nicht verkosten, aber meine durchaus häufigen Bahnfahrten waren bis auf einen vollkommen überfüllten Zug gut.

    Und schön, dass Du wieder gesund bist!

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    1. Toni,
      ich fahre fast alles mit der Bahn und schimpfe nur sehr selten. Aber das Essen in der Bahn ist meist schlechter als im Spital.

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  8. Bei meinem letzten Spitalsaufenthalt waren die Suppen und auch die Salate waren nicht so gut, woran ich mich erinnern kann, was mir schmeckte war die Lasagne.
    Ich weiß von Leuten die länger Spitalsessen gegessen haben (Spitalpersonal), die nicht so "harglich" sind, dass auf die Dauer das Essen einfach nicht mehr geschmeckt hat.

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    1. weltbeobachterin,
      auf Dauer wäre mir das Essen auch zu fad.

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  9. Zum Glück bin ich nicht oft im Krankenhaus, aber an das letzte KH-Essen kann ich mich leider noch erinnern...
    Da ich aber viel beruflich in Krankenhäusern unterwegs bin, weiß ich, daß zumindestens die KH-Cafes und Restaurants durchwegs nur ungesundes und meist ungenießbares anbieten: Leberkäs, Toast, Würstl, Gulaschsuppe (aus dem großen Kübel natürlich), Chilli con carne (das wurde zu meinem Entsetzen aus einer Hülle in Wurstform gedrückt; es schmeckte scheußlich, ein Bissen reichte), nach nichts schmeckende Semmeln und Weckerl...Ich hab jetzt immer was zum essen mit.

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    1. Jule,
      ich behaupte: die Cafes in Spital bieten das an, was die meisten Leute lieber essen ;-)

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  10. großküchen können viel taugen, jedoch leider auch sehr wenig. im krankenhaus durfte ich bisher nur einmal als besuch vom pudding naschen und das war ein fertig gekauftes produkt.
    ich finde übrigens, diese preise, die da vergeben werden, sagen gar nichts aus. unsere uni-mensa hat auch mehrere in den letzten jahren abgeräumt und ich muss sagen, dass eine gericht, welches ich essen könnte (es gibt nur ein vegetarisches gericht pro tag) lasse ich nach einigen versalzenen, halbrohen und einfach ekligen erfahrungen stehen.
    es gibt jedoch in berlin einige gute mensen, nicht dass es noch heißt, ich meckere nur ;)

    anna

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    1. anna,
      ich habe bisher nur in einer Grossküche dauerhaft gut gegessen - das war keine Mensa, sondern eine Konzern-Kantone in München.

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