Short Cuts 8: Die Fotos der Anderen - New Austrian Cuisine? - Die Wand


Die Fotos der Anderen
Schon langsam bleibe ich als letzte Knipserin übrig. Vorgestern bin ich mit drei Foodbloggern zusammen gesessen: Tageslichtlampe hier, Folien a la Robert da, neue Kamera dort. Sybille isst sogar knieend vor ihrem Altar der Foodfotografie ;-) 
Und ich? Ja, ich konnte mal vor Jahrzehnten ganz gut fotografieren, habe Fachliteratur gelesen, mit meinem Freund eine Dunkelkammer eingerichtet und SW und Farbe selbst entwickelt, bin mit Stativ und schweren Objektiven am Rücken durch Griechenland gewandert. Heute hab ich das alles irgendwo ganz hinten in meinem Gehirn schubladiert oder vergessen. Ich bin froh, dass es automatische Einstellungen an meiner kleinen digitalen Knipsi gibt und iPhoto, das meine gröbsten Schnitzer ausbessert.
Irgendwie juckt es mich ja, das verschollene Wissen hervorzuholen, eine Tageslichtlampe zu kaufen, die neue Nikon, von der mancher so schwärmt, ...
Aber will ich das wirklich? Natürlich habe ich auch den Ehrgeiz schönere Fotos von meinen Gerichten zu machen. Das was P in seiner Professionalität mal aus meinem Essen gezaubert hat, gefällt mir schon sehr. Hier trat der besondere Effekt ein: es sah sogar besser aus als es schmeckte, normal ist es umgekehrt! Aber könnte ich diesen Aufwand neben dem eh schon komplizierten Kochen eines Menüs leisten, ohne meine Entspanntheit, die mir beim Kochen so wichtig ist, zu verlieren? Ich könnte unser Alltagsessen besser ins Bild rücken, aber das interessiert mich wiederum nicht. Wenn, dann möchte ich schöne Bilder von neuen Gerichten in Menüs, die ich besonders sorgfältig angerichtet habe. 
Spätestens wenn meine jetzige Knipsi den Geist aufgrund der vielen Küchendämpfe aufgibt, stellt sich mit diese Frage von neuem - jetzt vertage ich sie mal wieder und bewundere die Fotos der Anderen.  


New Austrian Cuisine?
New British Kitchen gibt es schon länger und sehr erfolgreich. Auch wenn sich in den Köpfen mancher immer noch das Klischee des grauslichen Essens in UK hält. Seit dem Höhneflug von Redzepis Noma boomt im - auch bei diesem Thema sehr gründlichen und peniblen -  Skandinavien die Diskussion um gutes Essen, regionale Produkte, die Ernährung der Welt. Junge Restaurants schiessen in Dänemark, Schweden, Norwegen wie die Schwammerl aus dem Boden (siehe dazu auch Georg Desrues Artikel im Standard).
Ja, und was tut sich in Österreich? Die gleiche Frage kann man sich durchaus auch für Deutschland und die Schweiz stellen: gibt es eine neue Küche in den deutschsprachigen Ländern? 
Leider bin ich da nicht sehr optimistisch. Abgesehen von wenigen Ausnahmen und Hoffnungsschimmern (Heinz Reitbauer, Harald Irka - wer noch?) sehe ich keine Ansätze, die ausgetretenen Pfade zu verlassen. Die Platzhirsche ganz oben in den Gourmetführern servieren weiterhin selbigen, vielleicht Sous Vide gegart, mit Xantan-gelierten Saucentupfern und Espuma, aber sonst bleibt alles beim Alten: internationale Luxusprodukte und Edelfleischteile dominieren die traditionell ablaufenden Speisefolgen. Das ist nicht nur langweilig sondern auch nicht zeitgemäss. Spitzenköche müssen Avantgarde sein, sie sollen sich gegen die wahnwitzige Ressourcenverschleuderung stellen, indem sie mit regionalen Produkten anders kochen als bisher.
Und der Mittelbau? Die meisten unserer Gasthäuser missverstehen Regionalität als folkloristische Behübschungen und serviert polnische Schweinsfilet mit ungarischem Speck im urigen Bauernpfandl. DA kommt auch kaum ein frischer Input.
Es mag vielleicht befremdlich wirken, wenn sich skandinavische Köche auf  Flechten, Knochenmark oder Heuschrecken stürzen und daraus mit viel Kreativität Essbares zaubern. Aber nur mit neuen Ideen kann sich Esskultur weiterentwickeln. 
Einen ähnlichen Trend zu einer New Austrian Cuisine sehe ich nicht. Dazu gibt es bei uns zu viele hemmende Verordnungen, Vorschriften, mauernde Interessensvertretungen - und vielleicht auch zu uninteressierte Gäste. Die demnächst erscheinenden Gourmetführer könnten zu einer Änderung viel beitragen, wenn sie Innovation und Mut mehr honorierten. Mal schauen, was in den nächsten Wochen dazu publiziert wird. 

Gesehen:  Die Wand
Nach der unvergesslichen Lesung von Martina Gedeck 2010 in  Linz, endlich die Verfilmung des Romans von Marlen Haushofer im Kino. Mit Martina Gedeck, einem Hund, zwei Katzen und 2 Rindern, gedreht in der beeindruckenden Landschaft von Gosau. 
Oh je, so viele Schüler, dachten wir, als wir ins Kino kamen. Ausgestattet mit Tacos, Cola und Kopfhörern, laut schnatternd, schubsend füllten sie den Saal. Wahrscheinlich mussten sie ein Referat über den Film schreiben, freiwillig wären sie in so einen stillen Film kaum gegangen. Dann die Überraschung: die Teenager waren muxmäuschenstill. Erst beim Abspann wurde ein Bursche meinen Vorurteilen gerecht und machte eine flapsig-witzige Bemerkung über die Kuh Bella. Dann lachte der ganze Saal. In Amerika hätte man den Jugendlichen wohl applaudiert.
Möglichwerweise sind ja alle eingeschlafen und es war deshalb so still im Saal wie bei kaum einem Kinobesuch. Ich glaube aber eher, dass diese Art von Kino ohne Dialoge, dafür mit phantastischen Darstellern (Mensch, Tier, Landschaft) und grossartigen Bildern einen Sog entwickelt, dem man sich kaum entziehen kann.  Für mich hat sich das Gefühl von Vereinzelung, von Einsamkeit und Ausgeliefertheit mehr eingeschlichen als beim Lesen des Romans. Sowas bewirkt ein Film bei mir selten.



Gelesen: Der Umweg
Wem "Die Wand" gefällt, der mag wahrscheinlich auch diesen Roman des Holländers Gerbrand Bakker. Bakker ist ein Meister der ganz leisen, fast lakonischen Töne und eines schrägen Humors. Wie er Tiere und Menschen in ihren Beziehungen beschreibt, finde ich überaus berührend. "Der Umweg" gefiel mir sogar noch besser als "Oben ist es still" - und dieses Buch war schon kaum mehr zu übertreffen.

Kommentare:

  1. Ich befürchte, es ist ganz einfach: wer für den Mainstream kocht, erzeugt Karawanen von Mainstream-Essern ...

    Eine - versprochen ganz, ganz seltene - selbst-refernziernede Meinung:

    http://unriskinsight.blogspot.com/2012/09/stay-creative.html

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  2. Schöner Titel ;-)
    Ich finde, das Schöne an den vielen vielen Kochblogs ist ihre Unterschiedlichkeit. Jeder soll seinen Blog gestalten, wie er will. Es gibt Blogger, deren Bilder so aussehen, dass ich das fotografierte Essen einfach nicht nachkochen will. Es gibt welche, die haben so schöne Fotos, dass ich mich frage, ob das Essen in der Zeit, die sie aufgewendet haben müssen, nicht schon kalt ist. Und dazwischen jede Menge Abstufungen. ES gibt Ziii-Bilder, bushcook-Bilder, Eline-Bilder, Tomatenblüte-Bilder, Robert-Bilder. Sie haben alle ihren unverwechselbaren Stil, ich bilde mir ein, auch bei einem Bild ohne Blog sagen zu können, von wem es sein könnte. Und das gefällt mir sehr! Also: bleib bitte bei der Knipserei :-)
    Film werd ich mir ansehen, Buch kaufen!

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    1. Küchenschabe,
      der Titel ist nicht zufällig gewählt, assoziiere ich mit Das Leben der Anderen, einem ebenfalls sehr guten Film mit Frau Gedeck, die ich sehr schätze.
      Ich strebe keine uniformen "Landhausküchenbilder" mit wenig Tiefenschärfe und putzigen Kindern und Haustieren an, aber dass ich an der Qualität arbeiten könnte, ist mir schon bewuss ;-)
      Das Buch habe ich leider selbst geliehen, daher kann ich es dir nicht weitergeben. Bin gespannt, was du zu dem Film sagst.

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    2. Das hab ich mir fast gedacht, das mit dem Titel - ich habe ihn vorgestern aus dem selben Grund gewählt ;-))

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    3. Ja, genau - der Urlaub der Anderen! Wir sagen ja auch beide "flauschig" :-)

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  3. Was die "New Austrian Cuisine" betrifft: schon länger frage ich mich beim lesen dieses Blogs ob Du schon mal beim Rainer Melichar in Traismauer warst. Nicht unangemeldet einfach so, sondern mit Voranmeldung ein Menü vom Rainer. Wenn nicht würde ich das mal dringend nachholen. Was er mit seiner Succowell Methode aus diversen logischen (Gemüse in jeder Form) aber auch auf den ersten Blick unlogischen Dingen (z.B. Mandeln) rausholt ist wirklich sehr sehr beachtlich. Würde sich wahrscheinlich eine Aufnahme in die Genussplätze verdienen....

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    1. edi4,
      ja, ganz in den Anfängen von Succowellwar ich mal bei Melichar zu einem bestellten Menü. Das ist aber schon lange her, daher merke ich mir deinen Tip vor.

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    2. wir waren am vergngenen WE wieder dort (mit Freunden, die sich einen "Succowell-Kochkurs" (nun ja, ein Kurs im engeren Sinne ist es ja nicht, mehr ein Probieren, vorstellen und testen) gewünscht hatten. Bei Rainer hab ich zum Besipiel völlig überrascht Weine die ich sonst eher nicht mag wie liebliche Rieslinge zu eher kräftigen Speisen wie Ente schätzen gelernt. So nun schluss mit Werbung ;-)) Es gibt ja noch andere ;-)

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  4. Hilfe...ich muss mich verteidigen. Ich MUSS so einen Firlefanz machen, WEIL ich keine Kamera habe, sondern nur ein Handy ;)und meistens esse ich am Tisch! :) :)

    ...ich sehe es wie die Küchenschabe, die Vielfalt auf den Blogs gefällt mir. Schöne Bilder sprechen mich an, schön um jeden Preis, damit meine ich gefakte Bilder, lehne ich total ab.

    Den Film habe ich "gelesen", es lohnt sich wohl ihn anzuschauen.

    "Oben ist es still" war auch für mich ein besonderes Buch. Danke für den Tipp.

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    1. Sybille,
      das war kein Angriff - ich fand das witzig! Allerdings hab ich nicht gewusst, dass du mit Handy fotografierst. Dafür sind deine Bilder geradezu sensationell - wahrscheinlich wegen dem Firlefanz ;-)

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    2. Ich hab' das auch nicht als Angriff verstanden!!

      Ein bisschen Gefrozzel mag ich ganz gerne... :)

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    3. Gottseidank!
      Wenn man sich nicht in die Augen schaut, ist das Gefrozzel nicht so einfach und wird schnell missverstanden.

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  5. Schönen Gruß vom P: Dass die Fotos besser waren, als der Geschmack der Speisen wagt er sehr zu bezweifeln, es hat ihm (und mir) nämlich ganz ausgezeichnet geschmeckt. Und ich finde ja, dass sich deine Fotos in den letzten Jahren gesteigert haben, trotz Knipse und husch-husch. Aber wenn du schon mit Profikamera in der Welt unterwegs warst, dann wäre ich die letzte, die dich von einer Auffrischung abhalten würde, ich wäre sehr gespannt, wie Eline fotografiert mit dem richtigen Equipment :-)

    Ich hoffe sehr, wir schaffen es morgen ins Kino, vorgenommen haben wir es uns.

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    1. Ellja,
      die von dir registrierte Steigerung (danke sehr!) war keine Kunst: von Null auf Eins von Zehn - das ist ja nicht schwer.
      Profikamera?
      Dafuer hatte ich kein Geld. War alles gebrauchtes, sperriges Zeug :-)
      Hoffentlich aergern dich die Renovierer nicht wieder! Die Wand spielen sie eh noch lang.

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  6. Viele Dinge sind das, die dich umtreiben...

    Sein nicht so ungnädig mit den Teenagern. Ich war zwar nicht mit, aber ich finde es großartig, wenn diese sich für so einen Film interessieren, diese aushalten und anscheinend sogar darin abtauchen. Die Bemerkung des Jungen klingt nach Unsicherheit...

    Ich hab das Buch "Die Wand" gelesen und kann deine Gefühle sehr gut nachempfinden, da es mit beim Lesen ähnlich ging. Ich plane bislang nicht, mir den Fil anzuschauen...

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    1. Suse,
      ungnaedig? Aber ganz im Gegenteil, ich fand sie entgegen jedes Vorurteil grossartig und haette ihnen gerne applaudiert fuer ihre Geduld!

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  7. Heute in Ö1 habe ich gehört, dass der neue Gault Millau vorgestellt wurde. Angeblich kocht halb Österreich jetzt frei nach Redzepi. An mir ist es spurlos vorübergegangen, dass wir diesen Trend hätten. Aber was kenn ich mich aus. *schulter zuck*

    Die Teenager bei dir waren eh toll. Letztens saß ich im Kino neben einer, die ununterbrochen geredet hat. Sagte sie doch tatsächlich: "Das ist ja zum lolen." Ich hab gedacht, ich hör nicht recht.

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    1. Turbohausfrau,
      waere gut, wenn halb Oesterreich nach Redzepi kochen wuerde. Waere immerhin ein Versuch von Innovation.
      Hoch bewertet wurden eh nur Plarzhirsche und Traditionelle Hochkueche :-(((
      Die Teenies waren wirklich super, war ein nettes Erlebnis!

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  8. Ich mag dein Blog weil du immer wieder so überraschende Kombination und mir viel Inspiration für's Kochen gibst. War einer der ersten, die ich vor 2 1/2 Jahren entdeckt habe und immer noch einer der meistgelesenen.

    Den Film möchte ich mir auch unbedingt anschauen.

    Letzte Woche habe ich den neuen Schweizer Gault Millau durchgeblättert und nach Interessantem in St. Gallen gesucht. Fehlanzeige. 2,3 kenne ich, der Rest mag mich nicht zu begeistern. In Zürich ist das natürlich wieder was anderes. Aber Restaurants wie ich sie im Frühling in Kopenhagen erlebt habe, sind wohl ebenfalls Fehlanzeige. Leider.

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    1. Birgit,
      danke, werde gerne von dir als Blog gemocht!
      Du sagst es:
      Restaurants wie in Kopenhagen oder - ganz anders, aber auch authentisch - im Piemont, wo du gerade warst, gibt es bei uns kaum.
      Restaurantfuehrer wie GM koennen mir eh gestohlen bleiben, ich richte mich fast nur mehr nach Tips von Foodbloggern, die ich schaetze.

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  9. Das ist das richtige Wort: authentisch. Bei uns muss etwas Neues immer gleich hip sein. Gefällt mir manchmal auch, hat in Kopenhagen auch ein wenig diesen Touch, aber modern und anders aber trotzdem bodenständig ist eine eher seltene Kombi.

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    1. Die skandinavischen Koeche und auch einige andere neue Gesichter sind ja auch dabei, ihr eigenes Image als "Sternekoeche" zu hinterfragen, die Beziehung zu ihren Gaesten neu zu definieren, die herkunft der Lebensmittel kritisch zu betrachten. Die Gastrokritiker sollten die wenigen Versuche in Oesterreich, dieser Entwicklung zu folgen, unterstuetzen. Was tun sie aber? Sie honorieren die Kontinuitaet des Traditionellen. Wer ein bisschen hinter die Kulissen blicken kann, weiss auch warum das so ist.

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  10. Leider kenne ich die österrreichische Küche zu wenig, als dass ich mir ein Urteil erlauben könnte. Das Nova-Regio-Konzept aus Skandinavien ist spannend, auch deshalb, weil es von unterschiedlichen Protagonisten an unterschiedlichen Orten vorangebracht wird. Anders als die sog. Molekularküche von Adria, der zwar Millionen von Epigonen generierte, aber den Tellerrand des El Bulli zu verlassen nie im Stande war, scheint hier wirklich eine grössere Bewegung losgetreten worden zu sein, die auch Breitenwirkung entfalten kann. Das denke ich, wäre auch noch wichtig: Eine Wirkung in die Breite und auch in die Tiefe, also das Formulieren weiterer Formate für eine bestimmte neue Küchenrichtung, die über das Grand restaurant hinausgehen. Das finde ich das faszinierende an Ducasse, der die französische Hochküche nicht neu erfunden hat, aber für sich innerhalb der französischen Küche einen bestimmten Stil definiert und zu Ausdruck gebracht hat und es geschafft hat, verschiedenste Formate ( vom Pariser Bistrot , den Sternetempeln , diversen weiteren Restaurants) und Angebotsformen für seine Küche zu finden. Ginge sowas auch in Österreich oder in Deutschland? Dazu müsste es schärfere eigenständige Profile geben, mehr Mut, auch mal die Streberrolle( "Seht her, ich koch in Fürstenfeldbruck/ Ottakring genau so molekular wie im El Bulli!") sein zu lassen und auszuprobieren, für welche Ideen und Formate Interesse und Interessenten bereit stehen. Zarte Ansätze sehe sogar ich im Ausland mit meinen geringen Kenntnissen der österreichischen Gastrolandschaft hie und da ( Herr Nikol in der Coburg serviert feinste ungestopfte Bioleber, die Reitbauers ändern die Rolle der Nicht-Fleisch-Teile im Menue gravierend, in Purbach werden feinste Innereien serviert....), es fehlt aber wohl noch das konsequente, stimmige Konzept einer New Austrian Cuisine-und die dafür notwendigen Protagonisten, vom Koch bis zum Kunden. Meines Erachtens, weil zuwenig von der Küche ( ihren Zutaten, Produktionsweisen ,Produzenten, Arbeitsabläufen etc) ausgegangen wird als vom Drumherum. Da haben wir zum Teil eine Situation wie in den grossen traditionsreichen weltbekannten Opernhäusern Oberitaliens wie Scala und Fenice: Überlebensgrosse Reputation, glanzvolle Geschichte -aber musikalische Spitzenleistung, spannende, bewegende Opernaufführungen finden mittlerweile woanders statt!

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    1. duni,
      ich freue mich sehr ueber deinen klugen Kommentar. Ja, so jemand wie Ducasse wuerde Oesterreich auch nicht schaden. Regionalitaet, Nachhaltigkeit wird hier meist a la Slowfood verstanden. Das ist ja an sich gut, nur kommt meist eine bewahrende, uninspirierte Kueche heraus: oekologisch und politisch korrekt, aber fuer meinen Geschmack viel zu unsinnlich. Wie du sagst, gute Ansaetze gibt es: Koeche wie Neunkirchner, Rachinger sind schon lange Vorreiter und einige junge probieren es gerade aus. Aber ich wuensche mir so eine radikale Diskussion und solche Experimente, wie sie gerade in Skandinavien stattfinden.

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  11. Liebe Eline,
    wie gut Du fotografieren kannst, sieht man schon an dem Lauchfoto. Ansonsten bin ich ganz bei Dir und werde vermutlich auch übrig bleiben. Zumindest bemühe ich mich manchmal, die große Kamera zu nehmen und freue mich über Sonnenschein. Das macht vieles einfacher. Es widerstrebt mir immer noch feste Aufbauten zu machen und später einen kalten Teller zu essen. Ich suche die goldene Mitte: brauchbare Fotos und kaum Zeit verlieren. Vielleicht finde ich hier noch den richtigen Kniff.

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    1. bushcook,
      solche Fotos wie das von Lauch kann ich nur bei Tageslicht und ohne Servierdruck machen. Dann gelingt schon mal was Anstaendiges.
      Bei Tellern, die auch warm serviert werden sollen, ist das viel schwieriger.

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  12. Interessanterweise hat eine andere kulinarische Berufsgruppe diesen radikalen Bruch mit dem Althergebrachten, aber ganz gut Laufenden in Österreich erfolgreich vollbracht: Die Winzer, die nach den Weinskandalen der 80iger Jahre mit ihrer "Tradition" gebrochen haben. Was die österrreichische Weinlandschaft heute bietet, ist wirklich staunenswert! Auch deshalb, weil immer noch Bewegung in der Szene herrscht, man denke nur an die "neue" Wachau, die mit Exponenten wie Veyder-Mahlberg eine stilistische Erneuerung der Rieslinge und Veltliner anstrebt, Rotweinzauberer wie Velich etc. ; selbst die von Dir nicht goutierten Naturweine haben hier ihre Berechtigung, weil sie zeigen, dass sich Winzer noch Gedanken machen und weiterentwickeln(...der Qvevre von Ott ist übrigens einen Versuch wert, weil er nicht wie umgekippter Apfelsaft schmeckt..) . Sicher hätte diese Trendwende nicht stattfinden können, wenn sich nicht Kunden für diese Weine gefunden hätten, die bereit waren, diese neuen Wege mitzugehen und zu finanzieren. Diese Trndwende bräuchte es auch in der Gastro.

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  13. Exakt,
    und wenn mich jemand dazu bringen kann, endlich wieder mal nach langer Zeit einen Ott zu verkosten UND noch dazu einen Naturwein, dann bist das du! Veyder-Mailberg ist fuer mich einer Besten. Seinem Viognier Schloss Hardegg trauere ich immer nach.

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  14. Ich kann es nicht lassen ... aber Küchenstile, Tradition und Moderne ... vor allem aber Sendungsbewusstsein sind spannende Elemente jeder Entwicklung - IMO.

    Wie sehen die Amerikanischen "Exceptionists" (bei "uns" ist alles besser) diese Treiber?
    Ein (langer) Artikel zu "Tasting Menus" und in Folge Küchenstile, "Originalität" und Sendungsbewusstsein ...

    http://www.nytimes.com/2012/10/10/dining/tasting-menus-can-be-too-much-of-a-good-thing.html?pagewanted=all&_r=0

    Warum akzeptiert der Autor "automatisch" traditionelle Kaiseki oder Omaseku Menüs als "wohl durchdacht" ....

    Was wäre ein Äquivalent in einer "Austrian Cuisine"?

    Ich befürchte wir werden keines finden?

    Aber in Teilen? Ich glaube, klare Suppen sind "österreichisch". Ich wünsche mir deshalb einmal ein Menü mit einer Dominaz klarer Suppen.

    Mein erstes 20/20 Punktegericht in AT: bei Wörther (noch in der Ville Hiss) - eine wasserklare Felchensuppe mit 2 winzigen Sellerieravioli (damals wusste W. auch noch was aus einem Rebhuhn werden kann)

    Später, bei nicht so berühmten Köchen eine klare Spargelsuppe, eine klare Paradeisersuppe ....
    Jeweils Geschmacksexplosionen aus "nichts".

    p.s. Die Kritik des Autors fand ich materialisiert im Alinea - ein schreckliches 24 Gänge "tasting menu", eine Zucker-Salz Achterbahn.



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    1. Herbert,
      ein Suppenmenü wäre mir zu fad in der Konsistenz. Aber ich mag klare Essenzen auch sehr gerne, in kleinen Mengen.

      "I walked out dazed when I could have been dazzled." Treffender Satz aus dem hochinteressanten Artikel, danke für den Link. So geht es mir auch nach manchem Degustationsmenü. Nach dem Alinea war ich wie betäubt.

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  15. Diesen Beitrag finde ich toll, Eline - alles sehr interessant, von deinen Zeilen bis zu den Kommentaren. Danke auch für Buch- und Filmtipp, sowas mag ich ;-)

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  16. Bin eben erst zum Lesen gekommen ;-)
    Interessant wie du den Film fandest, ich habe nur das Buch gelesen und fand es atemberaubend, aber sehr beklemmend.
    Eines der Bücher, über die man noch wochenlang nachdenkt und die ein merkwürdiges Gefühl hinterlassen.

    Das liebe Licht beim Fotografieren, jaja, ich hab mich auch schon drüber ausgelassen... ich mag gerne schöne Fotos, aber momentan bin ich nur am kämpfen bei Kunstlicht.
    Welche Tageslichtlampe meinst du denn?

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    1. Britta,
      der Film ist bei mir auch immer noch präsent, vor allem die Bilder der Isoliertheit.
      Kunstlicht:
      ich koche jetzt im Herbst bis Frühjahr leider auch nur am Abend im Kunstlicht.
      Tageslichtlampe: Die liebe Küchenschabe hat so eine, vielleicht sagt sie uns, welche.

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  17. Irgendwie hat mein Reader Macken ...
    Die Entspanntheit beim Kochen und Geniesen, wie recht du hast! So landen bei mir eben auch bei weitem nicht alle Gerichte auf Fotos, sondern nur die, die es zulassen. Wartende Gäste und eine fotogestresste Köchin: Keine Lust!

    Für's heisse Essen trotz Foto hat sich bei mir die immer wieder auftauchende Holzplatte direkt unterm Fenster bewährt: Stativ mit eingestellter Kamera steht, Teller wird angerichtet, geknipst, serviert.
    Superpraktisch aktuell: In "Jerusalem" werden fast alle Gerichte lau- oder zimmerwarm serviert :)

    Noch kurz zur Tageslichtlampe: Die gibt es z.B. unter genau dem Begriff bei einem großen Onlinehändler. Das ist eine "Birne" mit Tageslichtspektrum, die man in eine normale (bewegliche Schreibtisch-)Lampe drehen kann. Ist nicht schlecht im Winter, weil die Farben nicht so sehr verfälscht werden und man mit Stativ auch wirklich keinen Blitz braucht.

    Allerdings: Ich hab bei dir bisher nichts vermisst. Gar nichts!

    Grüßli!

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    1. Heike,
      ich möchte in meiner Küche, die Teil meines Wohnraumes ist, keine fix eingerichtete Fotoecke aufbauen.
      Daher kommen sowohl Tageslichtlampe als auch Stativ nicht in Frage. Seufz.

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    2. Ach, du hast überhaupt keinen Grund zu seufzen! Wir verbeugen uns doch schon tief vor deinen Gerichten. Bei noch besseren Fotos würden wir ja den aufrechten Gang verlieren! :)

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  18. Küchentrends? Ein Trend zu roh?

    Vorsicht, nach einem neuen Forschungsergebnis aus Rio beschränkt Rohkost die Hirngrösse - zu wenig Energiezufuhr. Ohne Kochen (im engeren Sinn) keine (denkfähigen) Primaten?

    Was war aber zuerst - das Kochen, oder das grössere Hirn?

    Quelle, Der Standard Forschung Spezial.

    p.s. jedenfalls gilt: ohne geeignete Hirngrösse, keine Fotographie .....

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    1. Herbert,
      ja, rohes Rentierherz - das ist was für dich!

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