Bevor wir, neben dem zwischenstaatlichen um die Krainer, einen innerösterreichischen Wurstkrieg erklären, ein Friedensangebot an die Wiener:
Ja, sagt ruhig weiterhin Augsburger zu einer blass-rosa, ungeräucherten, eingeschnittenen und gebratenen Knacker - wenn es der Staatsräson dient!
Wir Oberösterreicher sind ja tolerant.
"Unsere" Augsburger ist aber eine ganz andere: eine Wurst im Naturdarm, von nobler, weisser Blässe und (im Idealfall) zartem Geschmack. Überwiegend aus Kalbfleisch und relativ mager, daher gibt es sie immer noch als Schonkost in den oberösterreichischen Spitälern.
Sie ist eine altmodische Wurst der einfachen Leute, die fast in Vergessenheit geraten ist, auch ich habe sie schon viele Jahre nicht mehr gegessen. Nicht zuletzt weil ich kaum mehr Wurst esse.
Die Kindheitserinnerungen sind aber noch stark und sehr positiv: sogar meine kochuntalentierte böhmische Oma "konnte" Augsburger so halbwegs, ohne sie beim Braten zu sehr zu verbrennen. Augsburger war ein typisches Kinderessen. Vor allem wegen des treuen Begleiters Erdäpfelpüree oder wegen des knusprigen Erdäpfelteigmantels ("Augsburger im Schlafrock") oder der knusprigen Panier war das ein Genuss.
Dass die Augsburger auch heute noch gegessen wird, zeigte mein gestriger Versuch beim regionalen Fleischhauer. "Eine Augsburger, bitte!". Und ohne Zögern schnitt die Verkäuferin aus einem riesigen Kranz von Würsten, der zu Recht gleich neben den Münchner Weisswürsten lag, eine Augsburger ab.
Nachdem ich die Augsburger im Bürokühlschrank zwischengelagert und gegen Hs räuberische Absichten verteidigt hatte, wurde sie am Abend von mir gebraten und verkostet. H hat sich dann doch feige gedrückt und mit einem Freund beim Inder getroffen.So war ich mit der Wurst alleine gelassen, noch dazu an einem fleischfrei geplanten Tag!
Ich habe die Augsburger fotografiert, seziert, gekreuzigt, leicht mehliert und sanft gebraten. Und dann gegessen. Geschmeckt hat sie mir nicht so richtig. Sie war nicht sanft, sondern zu viel gewürzt, was meinen wurstentwöhnten Gaumen verschreckte. Vielleicht gibt es bessere. Die lasse ich dann aber durch H testen.

blasphemie! nicht erst im letzten absatz ;-)
AntwortenLöschenich werd' jetzt meine mama fragen, weil ich bin auch oberösterreicherin, bittschön, und offenbar wirkt das stockholmsyndrom schon eine woche vorher.
(leise zweifel regen sich, diese farbe kommt mir irgendwie bekannt vor...)
katha,
AntwortenLöschennatürlich hast du schon eine weisse Augsburger gegessen - geh in dich!
genau, so schaut eine augsburger aus: weiß, nicht rosa, das weiß jede/r oberösterreicher/in! katha soll sich ihrer oberösterreichen herkunft besinnen, dann wird sie das auch erkennen ;-)
AntwortenLöschenSie grübelt eh schon ....
LöschenSagen'S doch gleich, dass Sie Wollwürscht meinen, auch G'schwollne genannt:
AntwortenLöschenhttp://www.meisterwurst.de/Wollwurst--351.html
kaltmamsell,
Löschendanke für den Link. Aber eine Augsburger ist keine Wollwurst. Die ist lang und dünn und ohne Haut, hat auch weniger Bindung als die Augsburger. Vielleicht ist eher noch die ebenfalls bayrische Stockwurst eine nahe Verwandte, die hat zumindest eine ähnliche Form und Zusammensetzung.
ich fands jedenfalls mutig vom Koch, eine Salzburger zu braten und sie dann Augsburger zu nennen ;-)
AntwortenLöschen;-)
LöschenSalzburger, diesen Namen für eine Knacker hab ich vor dem Freytag schon lange nicht mehr gehört. Bei den Augsburger-Recherchen bin ich darauf gestossen, dass eine Salzburger eine Knacker mit hohem Speckanteil und gröberen Brät sein soll, eine Speckknacker. Aber Salzburger sagten früher die Leute zu jeder Knacker.
Ich glaub, jetzt vertreib ich die letzten Leser mit dieser Wurst-Spalterei ;-)
also hamma auch keine salzburger gegessen *lol*... okay, wir haben dann was gegessen?
AntwortenLöschenA ungeraeucherte Knacker ;-))
AntwortenLöschenHallo Eline,
AntwortenLöschenIch habe einen renommierten Wursthersteller in Österreich angeschrieben, um sein Fachwissen, die Wurst "Augsburger" betreffend, abzufragen. Hoffentlich betrachtest Du mein Handeln nicht als typisch Piefke oder als Beckmesserei.
Mein Anschreiben:
Sehr geehrte Damen und Herren, Sie könnten in einem Disput helfen. Man ist sich nicht einig zwischen Wien und Linz was eine Augsburger wirklich ist. Ist es eine Weißwurst im Naturdarm, ohne Petersilie und Zitronenschale oder eine Knackwurst, oder vielleicht noch eine ganz andere Wurst.
Die Antwort ist nicht überraschend. Die Lösung, wenn auch nicht salomonisch, entspricht dem Ergebnis im Blog
Hier die Antwort
Sehr geehrter Herr ...,
in einer Sitzung mit Experten der Fleischwarenerzeugung hatten wir vor ca. 1 Jahr eine entsprechende Diskussion, wonach erkannt worden ist, dass die klassische Augsburger ohne Pökelsalz und ohne Räucherung hergestellt wird. Diese Augsburger schmeckt ähnlich wie eine Weißwurst ohne Petersilie und ohne Schwartenkörner - etwas neutraler - und hat eine festere Konsistenz als eine Weißwurst.
Heute wird zumeist eine Knacker- Wurstmasse in einen undurchlässigen, transparenten Knackerdarm gefüllt und nicht geräuchert.
Was mich etwas irritiert ist der "undurchlässige, transparente Knackerdarm". Kunstdarm ???
Lieber Heinz,
Löschenim Gegenteil, genau so wuensche ich mir eine Disput im Kuechentanz! Und vielen Dank fuer deine Recherche!. Was der Wursthersteller sagt, bestaetigt,, dass eine Augsburger urspruenglich das war, was wir in Oberoesterreich immer noch haben. Und dann wurde sie - aus welchen Gruenden auch immer - veraendert. Einiges deutet auf billigere und einfachere Herstellung hin: Kunstdarm statt Naturdarm, weniger Kalbfleisch, Poekelung.
habe gestern zufällig manfred höllerschmid getroffen und ihn zwischen kameel-tür-und-angel zum thema befragt. die art des verwendeten salzes (koch-/pökelsalz) macht für ihn den wesentlichen unterschied aus. die sache bleibt spannend.
AntwortenLöschenkatha,
AntwortenLöschenermeint aber den Unterschied zwischen Knacker und Wiener Augsburger, nicht den zwischen WienerAugsburger und oberoesterreichischer Augsburger, oder?
nein, die oö wäre eben mit kochsalz, die wiener mit pökelsalz, die knacker ist sowieso eine andere machart. aber wie gesagt: zwischen tür und angel.
AntwortenLöschenach so, das wuerde den farbunterschied erklaeren! du und deine connectschns !
AntwortenLöschengenau. mr. dry-aged-beef hat mich ob meiner wie aus der pistole geschossenen frage (ohne smalltalk vorher) eh ein bissl entgeistert angeschaut ;-)
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