Short Cuts 3: Mostheuriger mit Stil, Küchen-Pointillismus, Herr der Krähen


 Ich freu mich schon aufs Eierpecken - 
Ostern ist mein heidnisches Fest!


Köglerhof - Genuss mit Aussicht
Biobauern haftet ja immer noch so ein alternatives, verzopftes Image an, oft nicht zu Unrecht. Was aber die Familie Bauernfeind hoch über Linz auf die Beine gestellt hat, ist das genaue Gegenteil: ein Bio-Mostheuriger mit moderner Architektur, atemberaubender Aussicht und ausgesprochen gutem Essen und Trinken. Genuss ohne Schnörkel bei freundlichen und engagierten Leuten. Ein Paradies, ganz in meiner Nähe, direkt an meiner liebsten Radstrecke.
Einziger Wehmutstropfen: die so gar nicht zum überaus stilvollen Rest passenden Terrassenmöbel aus Plastikgeflecht (wie ich diesen ökologisch, optisch und haptisch unmöglichen Gartenmöbeltrend verabscheue!).
Auf eine Zukunft mit einfachen Holzbänken und -tischen hoffend, kommt der Köglerhof auf meine Genussplatz-Liste.

Küchen-Pointillismus
Schön angerichtete Teller? Ja, sicher. Geniessen hat auch was mit Ästhetik zu tun. Ich denke noch mit Schaudern an das Essen in meiner kurzen Klosterschulen-Zeit: ein Suppenteller, Löffel, Gabel - kein Messer. Wer die Suppe nicht hinunterwürgte, bekam auch kein Hauptgericht, denn dieses wurde, egal ob Fleisch oder Süssspeise in den gebrauchten Suppenteller geklatscht. Essen war unter diesen Umständen eine Qual und kein Genuss.
Ich liebe schönes Geschirr, Stoffservietten, polierte Gläser und schön angerichtete Teller. Was mich aber inzwischen schon fast abstösst, ist das Gschistigschasti, das in feinen Restaurants beim Anrichten gemacht wird. Ikebana und Pointillismus stehen da immer mehr Pate: Mit Xanthan oder ähnlichen Zusätzen gebundenen Saucenpunkte-Strassen, exakt kleiner werdend. Wie von Seurat gemalt, aber meist viel zu wenig. Oder impressionistische Pinselstriche von Jus in kräftigen Farben, Schleifen, Rauten oder Spiralen aus Gelee, geflochtene Matten, usw. Den Vogel schiessen hier immer noch manche katalanische Köche und Köchinnen ab. Aber Wien kann mit dem neuesten 2 Sterne-Koch da auch mithalten. Mein erster Gedanke, wenn ich so einen getüpfelten, exakt arrangierten Teller bekomme: hoffentlich geht dieser Aufwand an Arbeitskraft und Zeit nicht auf Kosten der Produktqualität. Und irgendwie bin ich nicht (mehr) bereit, Extra-Euros für diese Gesamtkunstwerke zu bezahlen. Konsequenterweise muss ich mich selbst auch bei der Nase nehmen und allfällige Nachäffereien dieser Trends in Zukunft bleiben lassen.


Foto: A1 Verlag

Ich lese gerade:
Herr der Krähen, Ngugi wa Thiongo, A1 Verlag, München 2011 
ISBN 3-940666-17-3
Was für ein Afrika-Roman! DER Afrika-Roman! Bin hin und weg und bereits auf Seite 733 von 944 angelangt.
Mehr dazu hier.


Belper Knolle und Co - kaes.at
Eine bisher unterschlagene Genussquelle, die hiermit ergänzt wird.
Neuerdings gibt es bei Stephan Gruber auch alten Sbrinz (ab 38 Monaten) und Belper Knolle im Online-Shop!

Kommentare:

  1. Das Buch hab ich mir zu Weihnachten gewünscht - da ich aber ungefähr 15 solche Schinken bekommen habe, hab ich noch nicht angefangen damit. Nachdem es dir gefällt, werd ich es als nächstes anfangen, lese gerade Solar von Ian McEwan.

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    1. Küchenschabe,
      das Buch ist faszinierend. Am anfang musste ich mich ein bisschen einlesen, jetzt bin ich aber süchtig nach dieser Art zu Erzählen.
      Solar habe ich nicht gelesen.Die Interviews von McEwan haben mich davon abgehalten.

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    2. Solar hat mich auch nicht so richtig umgehauen - obwohl ich einige Bücher von ihm gerne gelesen habe, Saturday zum Beispiel mochte ich, und auch Der Trost von Fremden. Mit den Krähen hab ich gestern nacht begonnen, ich glaube, es gefällt mir.

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    3. Schwarze Hunde, Amsterdam und der Trost von Fremden haben mir sehr gut gefallen.

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  2. noch was: Belper Knolle gibts am Südbahnhofmarkt bei der Käseglocke!

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    1. Danke für die Info. Ich bin ja kein Freund dieser Knolle (wegen dem Knoblauch), aber ich weiss, dass sie viele sehr mögen. Alter Sbrinz ist mir lieber.

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    1. Hesting,

      stimmt. Aber sicher nicht sehr umweltfreundlich. Ich hab die Eier geschenkt bekommen. Meine eigenen ostereier färbe ich ganz PC ;-)

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  4. Liebe Eline,
    du schreibst da schon etwas, worüber man nachdenkt.
    Angerichtet wie und was...Ich zB. hasse Duftkerzen am Tisch und bin ein Fan der klaren Linie.
    Klassisches Geschirr - schöne Gläser und vor allem - guter Wein zu gutem Essen.
    Deshalb freue auch ich mich auf Ostern - da mache ich einen Brunch und stehe gerne dafür, viele Std. in der Küche.
    Davor, muss ich aber noch ausradeln um Bärlauch in den Murauen zu pflücken.
    Die Natur, schenkt uns soviel...schade, dass die meisten das nicht mehr nutzen. Küchenblogger, sind da ja anders und das ist schön!
    LG Evelyn aus der Stmk.

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    1. Evelyn,
      Duftkerzen oder noch schlimmer Duftlampen am Esstisch können mich vertreiben.
      Ostern ist - schon weil es ein Fest im Frühling ist - für mich das einzige traditionelle Fest, dem ich was abgewinnen kann.

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  5. Eline

    der link zum Hotel Gralhof am Weissensee in Deiner Genussplatz-Liste scheint fehlerbehaftet zu sein, denn es erscheint, zumindest bei mir, nach dem Anklicken die Meldung "Not found". Übrigens eine schöne Gegend.

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  6. Die Grundzubereitungen einer Qualitätsküche sind überall ähnlich, die Verfahren etabliert und dank modernen Hilfsmitteln einfacher geworden. Da meinen manche Profiköche, sich mit artistischem "Teller-Pointillismus" von ihren Kollegen abheben zu müssen. Das beeindruckt offenbar manche Esser. Ich hab auch lieber 5 Löffel Sauce, wenn sie gut ist.

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    1. Robert,
      genau - und plötzlich tüpfeln alle !

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  7. Das Blau der Eier hat mich jetzt auch immens beeindruckt! Schade, dass die Farbe nicht selbstgemacht ist. Ich wollte schon fragen, wie man die zammbringt.

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    1. Turbohausfrau,
      wegen der Farbe habe ich die Eier damals auch fotografiert. Ich weiss gar nicht mehr, wer mir die Eier geschenkt hat. Aber sie sehen ein bisschen giftig aus ;-)

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  8. ah, das war also kein Reinfall der Köglerhof, muss ich mir auch vormerken, aber zur liebsten radlstrecke? da gehts doch arg bergauf, puhh, da komm ich schon ins schwitzen, wenn ich die strecke von urfahr weg in gedanken durchgehe!

    Und zum Gschistigschasti: Ich mag das ab und zu schon recht gerne. Wenn das Gesamtbild stimmig ist, dürfens schon ein paar tupfer sein und eine schöne anordnung gefällt mir auch, z.b. mag ich die Kreationen von Nils Henkel sehr. Es darf nur nicht zu gekünstelt sein und jede überflüssige Deko, schon gar, wenn sie nicht essbar ist, find ich übel. Auch kommt es immer auf den Anlass an. Elinchen, noch dazu erinnere ich mich, bei dir auch schon solche schönen Teller gesehen (und gegessen) zu haben ;-). Aber jeder Trend, der sich überholt, braucht einen neuen, und der wird kommen, unweigerlich!

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    1. Ellja,
      nein, keinReinfall. War letzten Donnerstag und bin am Samstag wieder dort.
      Nils Henkel ist je noch relativ dezent. Er hat sogar einen individuell erkennbaren Stil.
      Ja, ich nehm mich eh selbst bei der Nase, weil ich ab und zu die international trendigen Anrichteweisen nachgeahmt habe. Ich hab aber beschlossen, das nicht mehr zu tun. Erstens ist man als Solo-Koechin sowieso auf verlorenem Posten und kriegt das nie so hin. Zweitens moechte ich noch individueller kochen und anrichten. Ganz kann man sich Trends sowieso nicht entziehen.

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    2. Ach so, wegen der Radlstrecke: dazu gehoert eine gehoerige Portion an Spass an Anstrengung, kann man auch Masochismus nennen ;-)

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  9. Nachtrag: schau mal da, er zeigt sogar, wie so ein Teller entsteht. Also das ist doch wirklich schön, nicht?

    http://www.nils-henkel.de/food/video/chef-sache-intro/

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    1. Das schau ich mir morgen an ( kein Flashplayer am iPad). Ich hab viele Rezepte und Fotos von Henkel in aelteren Port Culinaires. Da gefaellt mir sein Anrichten gut, er verteilt alles so luftig und ordentlich. Aber vielleicht hatber sich auch geaendert, werd schauen.

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    2. Ellja,
      hab mir jetzt das Video angeschaut: Henkel macht das sehr stilvoll. Aber auch er hat inzwischen die Must Haves der MOK übernommen: es muss "Sand oder Erde", Gelee, Öl und Schaum oder "Air" auf den Teller.
      Aber es wird vorüber gehen .....

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  10. Eline, ich hab mir gestern noch - durch deine aussage angestachelt - ein paar Kochbücher durchgesehen, voller Hingabe auch das NOMA-Kochbuch. Also die machen da auch allerlei Firlefanz, und das ist alles herrlich fürs Auge, das passt einfach alles gut. Aber es gibt insgesamt tatsächlich sehr große Unterschiede bei der Stimmigkeit. Nichtsdestotrotz bin ich immer gespannt auf "eigene Stile"!

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    1. Ellja,
      deine Beispiele Henkel und Redzepi meinte ich gar nicht.
      Schau dir (z. B. im Standard) mal Menüs von der sehr sympathischen Köchin Carme Ruscalleda (Mondrian am Teller!) oder dem neuen Coburg-Koch Silvio Nickol an, diese Tellermaler waren meine Aufhänger.
      Herrlich fürs Auge kann manchmal auf Kosten des Geschmackes gehen: Einsatz von Lebensmittelfarben, Chlorphyllpulver und diverser Texturas.

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