"Zwetschkerl" sagt man bei uns auch zärtlich zu kleinen Kindern. Dieses Zwetschkerl habe ich gestern bei morgendlichen Lauf am Attersee von einem verwilderten Baum gepflückt
Es gibt Zwetschken und es gibt Pflaumen. Der Unterschied? Zwetschken (man beachte die Namensähnlichkeit mit der elsässischen und luxemburgischen "Quetsch") sind köstlich und vielseitig, herb, süss und säuerlich zugleich, ausdrucksstark im Geschmack und anpassungsfähig. Sie passen zu Entenbrust, Gänse- oder Kalbsleber sowie zu Rotschmierkäse, sind als Zwetschkenfleck einer der besten Obstkuchen, machen sich auch als Zwetschkenröster zu Topfenknödeln ganz ausgezeichnet und sind als Sorbet oder Parfait einfach göttlich. Pflaumen sind dagegen einfach nur fade Früchtchen.
Ich bin daher im Spätsommer immer auf der Suche nach "Hauszwetschken". Nicht alle meinen mit diesem Begriff das Gleiche wie ich: eine Zwetschke mit kleinen, dunkelvioletten, länglichen, leicht gespitzten Früchten mit hellem Reif. Oft wird in Gärtnereien und auf Märkten eine grössere, rundfruchtige Sorte als Hauszwetschke angeboten. Das ist aber einfach nur kleinere Pflaumensorte. Die entspricht nicht meinen strengen Hauszwetschken-Kriterien. Ich vermute, "meine" Hauszwetschke ist eine ganz alte Sorte, die noch eng mit der Ur-Zwetschke aus dem Kaukasus verwandt ist. Sie reift spät und es gibt sie immer seltener zu kaufen, weil es immer weniger dieser kleinen, knorrigen Bäume in Hausgärten gibt. Und sie hat wenig Ertrag, man braucht Geduld, bis sie richtig reif ist, damit sie vom relativ grossen Kern geht. Wahrscheinlich landen die meisten Hauszwetschken auf Grund ihrer Marktuntauglichkeit in der Maische von Obstlern und Zwetschkernen - auch gut und sinnvoll. Aber so 2 bis 3 Kilo pro Jahr sollten schon noch für mich übrig bleiben!