Blättern im Kochbuch: Blunzen-Tempura mit Schwips, Radi und Ingwer


Die Diskussion, ob wir die gerade gekauften, ganz frischen Blutwürste traditionell (im Ganzen in der Eisenpfanne gebraten, mit Innviertler Rettich-Salat und Erdäpfelschmarrn) oder fusioniert (mit eingelegtem Ingwer, in Tempurateig gebacken) essen möchten, beherrschte das letzte Sonntagsfrühstück. Wir einigten uns, angesichts Aussentemperaturen von um die 25 Grad, auf Fjuschn, die leichtere Variante.  Dieses Gericht steht in ähnlicher Form schon seit 2009 in meinem Küchentanz. Es verdient immer wieder ein Revival. Ich bereite es gerne als kleine Vorspeise bei Menüs zu. Damit kann man sogar Leute, die Blunzen sonst nicht mögen, überzeugen. Dass die Blunzen von 1a Qualität sein sollen: nicht zu dick, mit zarter Haut, nicht zu fett, nicht überwürzt und frisch, am besten Bio oder zumindest von tiergerecht gehaltenen Schweinderln, ist eh klar. Wenn man so eine Blunze kaufen kann, ist der Rest ganz einfach: 
Die vorausschauende Köchin kauft Ingwer dann, wenn er zart und jung ist (oder baut ihn am Balkon an), konserviert ihn in Honig und Reisessig. Frische Chilies werden im Herbst zu süss-scharfen Saucen einkocht und die Köchin lässt sich nicht alle Gläser von Freunden abluchsen. Und dann fehlt noch einen grossen weissen Rettich, weisse Rübchen, Chinakohl oder Weisskraut. Und Wodka! Der ist ganz wichtig. Ich habe immer eine Flasche Billigstwodka um 4 Euro im Schrank (Die Flasche "Jelzin" oder "Kalinka" wird immer in der Speis versteckt, damit niemand glaubt ich trinke sowas!). Ich verwende ihn zum Putzen nach dem Verarbeiten von rohem Fisch oder Fleisch, zum Tellerrandsäubern, meine Eismaschine schluckt auch einen beträchtlichen Teil davon und ich brauch ihn für den hier folgenden Tempurateig mit Schwips.

 Das gab es zur Blunzen-Tempura: 
In Honig eingelegten Babyingwer, Lauch, frische Chilies, 
Rettich und Miso-Reisessig-Sesam-Sauce

Tempurateig erfordert etwas Genauigkeit, wenn er die richtige Konsistenz und  Knusprigkeit haben soll. Mein Rezept sieht nach einigen Experimenten (nach Joachim Wissler, Heston Blumenthal und nach einem Rezept von einer japanischen Reismehlpackung) so aus:

Tempurateig mit Schwips:
100 ml Eiswasser
50 ml Wodka
70 bis 80 g gesiebtes glattes Mehl
17 g Reismehl
1 gestrichener TL Backpulver
kein oder nur ganz wenig  Salz

Varianten, die dann, streng genommen, keine Tempurateige sondern Backteige sind:
Mit getrockneten Kräutern und Gewürzen.
Mit Kichererbsenmehl, Korianderkörnern, rotem Chilipulver für Pakoras.
Oder mit 30 g Zucker und etwas mehr Salz für süsses Gebackenes (z. B. gebackene Apfelradln)

Zubereitung:
Eiswasser, Wodka, Mehl, Stärke und Backpulver mit einem Pürierstab zu einem glatten und sämigen Teig verarbeiten. Der Teig sollte erst kurz vor dem Gebrauch hergestellt werden.
Der Wodka im Teig (thanks to Mr. Heston Blumenthal!) macht den Teig besonders locker und knusprig. Der Alkohol verflüchtigt sich komplett. Dieser Teig saugt kaum Fett und wird auch nach längerer Zeit nicht letschert.

Wein: 2008 Riesling Altenberg, Van Volxem. Einen besseren Begleiter kann ich mir nicht vorstellen. 

Kommentare:

  1. "Vodka"

    WOW.......wer hätte das gedacht.

    Martin "BerlinKitchen"

    P:S. 2011 Van Volxem soll ein Jahrhundertjahrgang werden

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  2. Grüß Gott aus Südtirol :). Kannst du mir nicht verraten, wie du den Innvirtler Rettichsalat machst? Ich such schon seit einiger zeit nach einem Rezept, das mir passt.

    Liebe Grüße,
    Christopher

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  3. Martin,
    schon wieder ein Jahrhundertjahrgang. Aber bei 2011 dürfte dieses Etikett wirklich zutreffen.

    Christophorus,
    meine Grosstante Residenz aus Ried machte ihn so:
    schwarzer Rettich, gerieben, eingesalzen, ausgedrückt.
    Marinade aus Weissweinessig, Salz, Zucker, Sauerrahm.
    Andere Rezepte nehmen Oel statt Sauerrahm, ich mag Ihn aber mit Rahm am liebsten.

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  4. Danke für das Rezept. Mit Sauerrahm hab ich es noch nicht versucht. Wenn der nächste Rettich bei mir auftaucht, versuch ichs mal. :)

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  5. Ganz große Klasse. Auch der Wein. Danke fürs Rezept.

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  6. P.S. Impressionen aus dem Weinberg

    http://www.weinkenner.de/wein-news/roman-niedwodniczanski.html

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  7. chezuli,
    ihr seid ja auch Blutwurstfans!

    Martin,
    danke, das klingt wirklich überzeugend.

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  8. Was kann man dazu schon anderes sagen as:
    Perfekt!

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  9. Das mit dem Wodka wird ausprobiert, das mit der Blutwurst natürlich auch. Und dazu, als Alternative, die 2010er Schieferterasse vom Löwenstein.

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  10. Aus meinem Kochtopf,
    nicht wirklich. Der Tempurateig war für die ersten Blunzenstücke ein bisschen zu dickflüssig und ich habe nachbessern müssen.


    Claus,
    Weinalternative ist akzeptiert ;-)
    Bei der verwendeten Blutwurst darauf achten , dass die Fülle Bindung hat (bei uns verwendet man Semmeln oder Reis) . Cremige Blutwurst würde auslaufen.

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  11. Du züchtest Dir Deinen Ingwer selbst?

    Ich kenne nur die trockenen Knollen, die man zu jeder Jahreszeit bekommt.

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  12. Hesting,
    das geht ganz einfach. Am Ende Mai die kleinen, seitlichen Auswüchse von frischem Jngwer in Erde stecken, ca. 3 cm hoch mit Erde bedecken. Ende des Somers kannst du ernten. Ist nicht winterhart.

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  13. Liebe Eline, dass mit dem Ingwer MUSS ich probieren.
    Danke für die tolle Idee,
    LG Evelyn
    Was ich noch unbedingt fragen wollte, woher ist dieses schöne Geschirr - diese Schüsselserie, die du bei deinen Rezepten immer wieder hast. Für Butter usw...

    Danke!

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  14. Libelle,
    diese Schüsserl sind überwiegend, aber nicht nur von Rosenthal, aus den verschiedensten Produktlinien Es sind auch Sonderangebote von Arzberg oder Thomas darunter. Sie haben nur die Farbe: reines Weiss und den Porzelantyp (hart, dünnwandig, glatt) gemeinsam. Bei den Tellern halte ich es ebenso, es wird gemixt.

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  15. Danke vielmals, ich werde mal schauen, ob ich diese Dip Schüsselreihe finde. Sie wäre sehr praktisch und elegant.
    Obwohl ich sie gewiss nicht so gut bestücken kann, wie du.
    LG Evelyn

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