Polenta mit Totentrompeten

Diese herbstliche Polenta habe ich erstmals vor ein paar Wochen im Mühltalhof gegessen. Ich war begeistert von der Kombination aus würzigen, leicht erdigen Pilzen und Polenta. Lediglich der Hauch Trüffelaroma in der Polenta hat mich gestört.
Totentrompeten gehören für mich zu den besten Pilzen, leider sind sie im Mühlviertel ganz selten zu finden, dafür mehr im Osten und Süden Österreichs.
Getrocknet mag ich sie lieber als frisch, weil sie frisch oft etwas morbid-süsslich schmecken können. Morbid ist auch ihr Name und ihre Gestalt, die man so gar nicht mit dem fröhlich-goldgelben engen Verwandten Eierschwammerl in Verbindung bringt.
Nachkochen war also beschlossen und der erste Versuch war zufriedenstellend, aber nicht begeisternd: 

 Das zugefügte Obers passte so gar nicht und machte die Polenta zu cremig. Für ein Wochentags-Abendessen mit Lammragout mit kräftiger Rotweinsauce war es aber ganz passabel.

Als Menübeilage zu in Rotwein pochiertem Filet und dem geplanten Mouton dazu schien mir diese Pilzpolenta ideal. Und sie war auch ein Highlight, welch ein Geschmack und welch genialer Partner zu Bordeaux!
Letzlich erwies sich die Beschränkung auf wenige Zutaten und die Verwendung von grobem Bio-Bramata als richtiger Weg.

Polenta mit Totentrompeten
Zutaten für 4 Menüportionen:
100 g grober Bio-Bramata
ca. 280 - 300 ml Wasser
Salz
Muskat
weisser Pfeffer
reichlich Süssrahmbutter

1 kleine Handvoll getrocknete Totentrompeten
5 cm  fein gehackter weisser Lauch
1 Spritzer Madeira
etwas Gemüse- oder Geflügelfond
etwas Butter


Zubereitung:
In einer dickwandigen Kasserole die Polenta langsam kochen und gut ausquellen lassen, würzen.
Die Pilze in kaltem Wasser einweichen, die Stiele abschneiden (in einem Fond verwenden). Die Pilze der Länge nach aufschlitzen und nochmals gründlich unter fliessendem Wasser reinigen. Dann bis auf ein paar besonders schöne Exemplare alle fein hacken. Wenig Butter,  Fond und Madeira leicht erhitzen und zuerst die ganzen Pilze sautieren (ca. 10 Minuten) bis die Flüssigkeit verdampft ist.. Die  ganzen Pilze entfernen und später als Dekor verwenden.  Jetzt die gehackten Pilze und den Lauch in Butter und Fond ca. 10 Minuten sautieren, mit Madeira ablöschen und köcheln, bis alle Flüssigkeit verdampft ist.
Die Pilzmasse in die Polenta rühren und mit Butter nach Geschmack fertigstellen.
In geölte Ringe füllen, diese in eine Pfanne mit Deckel stellen und vor dem Servieren kurz am Herd anbraten. Das ergibt eine schön knusprige Kruste und wärmt gleichzeitig die Portionen gut durch. Auf Teller stürzen, mit den ganzen Pilzen dekorieren.

In Rotweinfond pochiertes Jungstierfilet, Rotweinsauce

 Pochiertes Jungstierfilet, Rotweinsauce, Totentrompeten-Polenta und Wirsing a la creme

Der letzten Monat von meinem Bauern geschlachtete Jungstier hatte besonders schön marmoriertes Fleisch. Das wollte ich besonders sanft behandeln, um seinen Eigengeschmack nicht zu zerstören.So wurde das ganze Filet kurzangebraten und dann im nur leicht reduzierten Rotweinfond pochiert. Bei Kerntemperatur 50 Grad nahm ich das Filet heraus und stellte es bei 55 Grad, leicht abgedeckt, ins Backrohr. Zum Servieren war es dann perfekt. Das Mittelstück bekam die Exil-Berlinerin, die Fleisch gerne etwas roher mag. So ein  Filet ist weise gebaut, da findet sich von Rare bis Medium für jeden Geschmack das richtige Stück.

Jungstierfilet in Rotweinfond pochiert
Zutaten für 4 Menüportionen:
600 g Filet vom Jungstier, pariert
1 EL Traubenkernöl
Salz
schwarzer Pfeffer, gemörsert

Rotweinfond:
1 Knoblauchzehe, gehackt
1 Schalotte, gehackt
1 EL Traubenkernöl
200 ml starker, gelierender Rinderfond
500 ml dunkler, säurearmer Rotwein
100 ml roten Port
Thymian
Rosmarin
Pfefferkörner
Wacholderbeeren
Pilzpulver
zur Fertigstellung als Sauce:
1 MSP Mole (Ersatz: Bitterschokolade ohne Zucker)
kalte Butter zum Montieren


Zubereitung:
Fond:
Knoblauch und Schalotte in Butter anschwitzen, mit Wein und Port aufgiessen, einreduzieren, Rinderfond dazu, Pilzpulver, Gewürze, leicht einreduzieren, dann die Kräuter zugeben.

Das Filet kurz rundum anbraten und salzen und pfeffern. In eine enge Kasserole in den Fond legen und abdecken. Bei 110 Grad im Rohr ca. 45 min ziehen lassen, bis zu Kerntemperatur 50 Grad. Abseihen und Fleisch leicht abgedeckt bei 55- 60 Grad im Rohr bis zum Servieren ziehen lassen. Kerntemperatur sollte je nach gewünschtem Gargrad zwischen 55 und 58 Grad liegen. Den Rotweinfond abseihen, stark reduzieren und mit Butter und Mole montieren.
 
Das Rezept für Totentrompeten-Polenta findet ihr hier.

Confierter Bachsaibling, Tortellini mit Petersilienwurzel, grüne Petersiliencreme, Weissweinsauce

 Ein besonders zarter und feiner Bio-Fisch. Das Angebot an hochklassiger Ware im (immer noch) ungeliebten Supermarkt wird immer grösser. Die Fischabteilung besuche ich inzwischen  schon richtig gerne, nicht zuletzt weil das Personal dort so gut gelaunt und fachkundig ist. 
Ich liebe das herbstlich-winterliche Wurzelzeug. Noch dazu, wenn es wie jetzt die Petersilie auch noch Grünzeugs mit viel Chlorophyll mit liefert. Die Tortellini auf  grünen Petrsiliencreme sind für sich alleine schon ein Genuss. Der glasige Fisch, die schaumige Weissweinsauce und nicht zuletzt knuspriges Petersilienstroh ergibt aber ein Upgrade zum feinen Menügang.
Da ich inzwischen Stammleser mit hohen Kochkenntnissen habe, spare ich mir ab sofort grundlegende Anweisungen bei Rezepten, wie z. B. die Herstellung von gefüllter Pasta. Nur manches, wie bei diesem Gericht die beiden Saucen, benötigt präzise Zutatenlisten, um so zu schmecken, wie ich es mir vorstelle. Für die Saucen habe ich Anleihen bei Wissler genommen, den ich für einen der besten Saucenköche halte.

Fisch-Grundsauce:
Zutaten für 4 Personen:
Karkasse, Bauchlappen vom einem grossen Bachsaibling (ohne Kopf und Flossen)
1 EL Traubenkernöl
2 Schalotten, zerkleinert
10 cm Lauch, gewaschen und zerkleinert
100 g weiße Champignons, gewaschen und zerkleinert
1 Scheibe Knollensellerie, zerkleinert
1 kleine Knoblauchzehe
30 ml Noilly Prat
100 ml säurearmer Weisswein

250 ml Wasser 
250 ml heller Geflügelfond1 Lorbeerblatt
1 TL getrocknete grüne Pfefferkörner
1 EL Korianderkörner
1 Thymianzweig
ca. 10 Stängel Petersilie
Salz
1 Spritzer Sojasauce 

Für die Weissweinsauce:
ca. 100 ml Obers
kalte Butter

Für die grüne Petersiliencreme:
die Blätter von 2 Bund grossblättriger, sehr dunkler Bio-Petersilie, blanchiert

Zubereitung:
Alle Gemüse im Traubenkernöl leicht anschwitzen (nicht bräunen). Mit Wein umd NP aufgiessen, reduzieren. Dann Wasser und Geflügelfond zugeben und die Fischkarkasse. Ca. 30  leicht simmern lassen, Zum Schluss die Gewürze und Petersilienstängel ohne Hitzezufuhr ziehen lassen. Abseihen, Obers dazu, noch etwas reduzieren. Abschmecken. Die Sauce jetzt halbieren. 
Kurz vor dem Servieren:
Eine Hälfte mit kalter Butter montieren und aufschäumen.
Die andere Hälfte kurz vor dem Servieren mit der grünen Petersilie mixen.

Confierter Bachsaibling:
Confieren habe ich schon oft im Küchentanz beschrieben, hier oder auch bei anderen Fischrezepten nachzulesen. 

Petersilienwurzel-Tortellini:
Kleine Tortellini mit einer Fülle aus in Obers/Milch gekochter Petersilienwurzel, feinst püriert und in Butter leicht braun gebratenen winzigen Petersilienwurzelwürfeln - schönes Wort ;-) .
Gewürzt wird mit etwas fein geriebenem Parmesan, Salz, weissem Pfeffer, Muskat, Zitronensaft. Sehr gut kühlen, damit die Masse fest ist. Eventuell mit einem TL Bio-Kartoffelpüreepulver binden , es geht aber auch ohne.

Den Fisch mit knusprig frittierten Streifen aus Petersilienwurzel bestreuen.

Zwischenmahlzeit: Brandteigkrapfen mit Topfen-Mousse

Ich stecke bis zum Hals im Rezepte-Schreiben. Aber leider nicht für meinen Küchentanz. Ich spiele Feuerwehr, weil manche (viele?) Softwarehersteller zu dämlich sind, um ihren Usern verständliche Gebrauchsanweisungen zu geben. Die mach ich jetzt. Im Schnellverfahren für viele hundert User, mit vielen Variablen. Gut dass ich durch das Rezepteschreiben geübt bin!
Daher müssen die versprochenen Rezepte vom Kraut & Rüben Menü noch warten.


Zur Überbrückung der Wartezeit: 
frische Brandteigkrapferl mit Topfen-Mousse und piemontesischem Nougat gefüllt

Kraut und Rüben-Menü, 13-November-2010

Nachtrag: Gewöhnlich gut informierte Kreise machten mich darauf aufmerksam, dass ein nicht unwesentlicher Teil des Menüs fehlte. Das Fleischgericht hab ich im gestern aussergewöhnlich turbulenten Arbeitsalltag vergessen. Das wird sofort nachgeholt und an der richtigen Stelle eingereiht.
  
Köcheln, reduzieren, köcheln - das Wichtigste für ein feines Winter-Menü

Das war kein Themen-Menü (davon halte ich nicht sehr viel). Aber unter Berücksichtigung von Regionalität, Jahreszeit, Verfügbarkeit, Vorlieben der Gäste und nicht zuletzt meiner Neugier auf Neues und dem Streben nach Verbesserung alter Rezepturen kam ein durchaus zweideutiges gemeintes "Kraut und Rüben-Menü" heraus. Dabei schmeckte es durchaus harmonisch und ich war zufrieden.

Wie immer: Rezepte folgen nach und nach, bzw. sind in der Bildunterschrift verlinkt. 

 Profiterole mit Avocadocreme, 
Gurkensandwich mit Frischkäse und Forellenkaviar, 
Räucherlachs mit Orangensenf
Champagner von Jean Vesselle 

Etwas modifiziert und dadurch eindeutig verbessert: 

2009 Silvaner "Eschendorfer Lump", Horst Sauer


In Rotweinfond pochiertes Rinderfilet, Totentrompeten-Polenta, Wirsing in Wacholdersauce
Und weil er derzeit so "trinkig" ist und dieses Gericht so gut zu ihm passt:
2002 Mouton Rothschild


Hauchzarter Blätterteig, aromatische Packhams-Birnen, Walnuss-Streusel, 
2007 Scharzhofberger Kabinett, Egon Müller


 Ein bisschen Käse zum Schluss
2007 Scharzhofberger Kabinett, Egon Müller

Nachlese: London

4 Tage London fast ohne Arbeit waren schön. So schön, wie es zuletzt vor 20 Jahren  war, als ich 4 Wochen stundenlang zu Fuss durch die Stadt wanderte.
So schön sogar, dass ich nicht viel ans Dokumentieren dachte, und einfach nur die vielen Eindrücke an überraschend warmen und sonnigen Tage genoss.

Essen:
War diesmal eine Nebensache und erfreulich. Ich würde mir viele der besuchten Lokale hier in Österreich wünschen. Und vor allem den freundlichen Service!
Maze Grill:
Auf Wunsch eines Geschäftspartners waren wir in Gordon Ramsays traditionell britischem Steakhouse. Fazit: perfekt in Darbietung und Service wie immer in Ramsays Imperium, aber auch ein bisschen glatt. Die Fleischsorten von regionalen britischen Rinderrassen bis zu Wague aus Australien wurden gekonnt und nicht aufdringlich mit viel Warenkenntnis präsentiert. Ich ass ein mit 640 Grad finalisiertes Sirloin vom Casterbridge, 21 Tage gereift. Dazu Chips, Mayonaise und eine selbst zusammengestellte Steak-Sauce. Fazit: für mich nicht so carnivor orientierte Esserin war der Abend OK. Meine fleischfressenden Mitesser waren begeistert. Etwas sehnsüchtig schielte ich nach nebenan ins Maze. In diesem Lokal unter der Leitung einer Oberösterreicherin hätte ich sehr gerne die kleinen, phantasievollen Gerichte mit viel Gemüse gegessen. 
Das war es auch schon an Hochküche diesmal.




Für Marqueee:
In MPWs Steakhouse waren wir nicht essen ;-)


Canteen im Spitalfields Market:
Sehr zu empfehlen für ein traditionelles britisches Frühstück (H. und A. genossen die abgebildete Makrele:"Hot buttered Arbroath smokie with poached egg"), aber auch für einfache, britische Gerichte, wie  Macaroni Cheese oder den Daily Roast. Bestes Brot und köstliche Butter, alles Bio. Netter, wenn auch weinunkundiger Service. Das macht aber nix, Preis/Leistung stimmt.


Hotel, Bloomsbury:
Gewohnt haben wir diesmal im Buckingham, einem traditionellen, kleinen Stadthotel in Bloomsbury. Das heisst in London normalerweise: winzige Zimmer mit plüschiger Einrichtung und vielen Geräuschen von Verkehr, Nachbarzimmern, Klimaanlagen, Lüftungen, Heizung, etc. Angenehme Überraschung hier: sehr grosses Zimmer mit Extra-Wohnbereich und kleiner Küche, zwar fad, aber sehr gediegen möbliert. Grosses Bad und unglaublich ruhig! So gut habe ich Luchsohr in London noch nie geschlafen. Ohne Frühstück buchen, dieses ist viel zu teuer und der schöne Wintergarten als Frühstücksraum zu klein. Wireless ist nicht kostenlos, bei dem sonst so umfassenden Service in diesem Hotel völlig unverständlich. Trotzdem ist das Hotel zu empfehlen. Im Viertel gleich beim British Museum gibt es einige Town Houses der Grange-Hotels. In der unten abgebildeten Bedford Lane sogar 5.

Shopping: 
Für mich neu: die Gegend rund um die Lamb's Conduit Street in Bloomsbury, (nicht zu verwechseln mit der ebenfalls interessanten, aber preislich weit höher positionierten Conduit Street in Soho). Hier im Bloomsbury gibt es British Fashion, schönes Design, Bio-Läden, Pubs, Galerien und Buchhandlungen. Fast dörflicher Charakter.
Dort hab ich schöne Sachen gekauft:
Darkroom Concept Store
Folk Fashion
Pesephone Books 

Ein ruhiges Viertel zum Wohnen, mitten in der Stadt. Die Bedford Lane. Das um die Ecke befindliche Charles Dickens Museum war leider geschlossen.
  
Snapshots:
Ich brauche immer einen Tag, um mich an die Menschenmassen und deren hektisches Verhalten zu gewöhnen. Gebaut wird wie verrückt. Die Pubs sind voll, die Raucher vor den Türen werden immer weniger. In diesem idyllischen Hof genossen die Anrainer ihr Bier in der aussergewöhnlichen Milde einer Novembernacht.
Ein Must für uns in London: die Serpentine Gallery, auch weil die Annäherung durch den Hydepark so schön ist. Diesmal mit einer grandiosen Ausstellung von Klara Liden.

 
 Kurioses: Bell Yard, gleich neben dem Justizministerium. Eine schmale Gasse mit vielen Rechtsanwalt-Büros. Vele mit Auslagen, fast wie in Amsterdams Hurenviertel. In der Chancery Lane gibt es dann das passende Outfit: massgeschneiderte Talare und Perücken.

Und sonst?
Die weniger schönen Eindrücke: Es gibt wieder mehr sichtbare Armut und Obdachlosigkeit. Wie vor 20 Jahren schlafen Menschen in Hauseingängen und Unterführungen. Das neue Sparprogramm, das im Sozialbereich gnadenlos zuschlägt, wird das noch verschärfen. Der Bauboom ist ungebrochen, unter dem Motto: Augen zu und weitermachen, nur kein Stillstand! Die Abschottung der reichen Wohngebiete duch Zäune, Kameras und Sicherheitsleute mit Wachhunden schreitet ebenfalls voran. 

Meine böhmische Oma konnte nicht kochen

Oma war eine winzige, runde Frau, die ihr Gewicht auf Schuhgrösse 35 fröhlich und gleichmütig durch das Leben balancierte. Schwer zu tragen hatte sie auch an der Ehe mit einem pedantischen Berufssoldaten, der in 2 Weltkriegen in Gefangenschaft war, und als geistiges und körperliches Wrack aus einem russischen Kriegsgefangenenlager sehr spät zurück kam.  Schwer war unter diesen Umständen auch  die Alleinerziehung von 2 Kindern.  Und schwer wog die Erinnerung an eine harte Jugend, die mit 12 Jahren endete, als sie aus Böhmen nach Linz kam, um als Dienstmagd der untersten Kategorie (Putzen, Heizen, Wasser schleppen) zu arbeiten.
Urgrossmutter war eines von 10 Kindern. Ein Revuegirl, das sich Schauspielerin nannte, und für die erhoffte Karriere im  Berlin der 20er Jahre kein Kind brauchen konnte und dieses daher in Böhmen bei ihrer Mutter zurück liess.  Ein leider verschollenes Foto zeigte "Fräulein Matz"  als 6. von links in einer Revueformation stark geschminkter Bubikopf-Mädchen. Letzlich hat Fräulein Matz ihren Weg gemacht. Als sie zu einem reichen Freund in eine Villa zog, durfte meine Oma sie ab und zu besuchen. Von den glamourösen Berlin-Besuchen, den ersten Seidenstrümpfen, die man ihr dort kaufte, dem lockeren Leben erzählte meine Oma gerne. Ich glaube heute, sie hat das auch ein bisschen ausgeschmückt. Spannend waren die Geschichten auf jeden Fall für mich und ich war als Kind sehr stolz auf meine Urgrossmutter. Ich erzählte gerne, dass ich mit der Schauspielerin Johanna Matz verwandt bin. Man glaubte mir nur nicht, denn es gab eine in meiner Kindheit berühmte "echte" Schauspielerin gleichen Namens in Wien. Und mit der war ich sicher nicht verwandt!

Entgegen jedes Klischee konnte meine böhmische Oma gar nicht Kochen, obwohl sie optisch ideal ins Bild der fröhlichen böhmischen Köchin mit weisser Schürze und Kochlöffel in der Hand gepasst hätte.

Abschweifung 1: Böhmische Küche 

Magdaléna Dobromila Rettigová (1785-1845) war Schriftstellerin und die populärste böhmische Köchin ihrer Zeit. Löwenzahn-Verlag, ISBN:978-3-7066-2356-8

Meine Mutter erzählte uns immer, dass Oma sogar Wasser anbrennen lies. So lernte Mutter schon in kargen Kriegszeiten selbst für die Familie kochen, damit die wenigen Lebensmittel, die sie auf ihren mühevollen Hamsterzügen bei Bauern besorgte, nicht durch Omas Kochkunst verdorben wurden. Aber Oma sorgte finanziell für die Familie. Sie war Schichtarbeiterin in der "Tschickbude". Die Sozialleistungen waren legendär und um diesen Arbeitsplatz wurde man beneidet. 

Abschweifung 2: für Architektur-Interessierte

Ein genialer, bisher verkannter Bau  der Neuen Sachlichkeit von Peter Behrens und Alexander Popp, der jetzt endlich einer würdigen Verwendung zugeführt werden soll.


Das war keine leichte Arbeit, aber Oma war Schlimmeres gewöhnt und war stolz auf ihre Arbeit.  Auch als sie alle auf einen Schlag frühpensioniert wurden, weil man ihre Arbeitsplätze für die aus dem Krieg heimgekehrten Männer benötigte, hielten die Arbeiterinnen weiterhin engen Kontakt und verbrachten viel Zeit zusammen bei Karten- und Tratsch-Runden mit Kaffee, Eierlikör und  Fertigkuchen vom "Konsum". Zum guten Kuchen meiner Mutter kam Oma ein Mal wöchentlich zu uns den Berg hinaufgeschnauft und brachte uns Kindern Benstorp-Schokolade und grauenhafte Cola-Schlecker aus dem Konsum mit. Ich mochte sie trotzdem sehr.
Meine Schwester und ich mussten mal ein halbes Jahr bei Oma wohnen und leider auch essen. Wir waren gut gekochte Gerichte aus frischem Obst und Gemüse aus eigenem Garten gewohnt, an Milch, Obers und Butter direkt vom Bauern. Selbstgemachte  Marmeladen, Kompotte, Fruchtsäfte, frischgebackenes Milchbrot und beste Mehlspeisen waren für uns selbstverständlich. Bei Oma kam alles vom Konsum: die von uns "Pappendeckel-Marmelade" genannte Pektinmasse, das strohtrockene Brot, das welke Gemüse. Und Oma hatte die Gabe wirklich alles am Gasherd anbrennen zu lassen: Kartoffeln, Reis, Fleisch - alles hatte eine schwarze Kruste. In dieser Zeit wurde Erbstwurstsuppe , die ich mir selbst zubereitete, zum Lieblingsgericht. ich glaube, diese gepressten runden Scheiben Fertigsuppe, haben mich vor völliger Ess-Verzweiflung bewahrt. Ab und zu riechte ich so eine Suppe, wenn ich beim Langlaufen an einer Berghütte vorbei komme. Ich sollte wohl wieder mal eine zubereiten, im Andenken an meine liebe, fröhliche böhmische Oma, die nicht kochen konnte.

Abschweifung 3: für Kochhistoriker

Schon 1867in Berlin erfunden, eines der ältesten Fertiggerichte.

Evolution

Studentenküche sah zu meiner Zeit ganz anders aus als heute. Asiatisches gab es nur in Form von Sojasauce und die wurde oft durch Maggi ersetzt. Und es gab im Gegensatz zu heute kaum Vegetarier oder Veganer. Fleisch hatten wir trotzdem ganz selten am Teller. Dafür viel LKW (Leberkäsweckerl), Pasta und Chili sin Carne. Echte "Keeper" waren waren Nudeln mit Gorgonzolasauce und Walnüssen. Damit fütterte ich oft ein rundes Dutzend Leute um wenig Geld. Denn wir verwendeten billigen österreichischen Blauschimmelkäse und einfache Recheis-Nudeln, aus den Vorräten der Mütter "organisiert". Und es war ein richtiges Festessen, mit billigem Lambrusco aus der 1,5 l Flasche dazu. 
Meine aktuelle Zubereitung der letzten Woche hat im Vergleich dazu schon fast was Elitäres, schmeckt aber unbestritten um Klassen besser. Ist kein Kunststück, wenn man  beste Pasta, milden Bio-Gorgonzola und  Bio-Obers verwendet. Bei solchen Erinnerungen halte ich immer kurz dankbar inne, um mich darüber zu freuen, wie gut es mir und meinem Umfeld geht, dass ich so gute Lebensmittel kaufen kann!


Zutaten für 2 Portionen:
200 g Spaghetti
(ich nehme Senatore Capelli von Latini, diese Spaghetti aus einer alten Durum-Weizen-Sorte sind wirklich ausserordentlich gut)
1 TL Butter
1/2 Knoblauchzehe, ganz
20 ml trockener, säurearmer Weisswein
100 g Bio-Gorgonzola
150 ml Bio-Obers
 100 ml Bio-Vollmilch
1 reife Packhams-Birne, geschält, gewürfelt
2 EL grob gehackte Walnüsse, neue Ernte
viel Tellycherry-Pfeffer, mittelfein gemörsert
fein geriebener Pecorino oder Parmesan

Zubereitung:
Birne und Knoblauchzehe in Butter sautieren, mit Weisswein ablöschen, reduzieren, bis Flüsigkeit verdampft ist. Käse, Milch und Obers beigeben, langsam schmelzen, leicht einreduzieren. Knoblauch entfernen. Spaghetti kochen, abseihen, mit Sauce vermengen, pfeffern, mit Käse bestreuen. 

Das ist eine Konserve.Frischkost gibt es erst wieder ab 08-November.

Er gehört zu den Besten .....

.... der österreichischen Rotweine, ja sogar im internationalen Vergleich kann er bestehen. Voll Patriotismus  ;-) getrunken am Nationalfeiertag. Zu Rehnüsschen mit Zwetschkenholler und Selleriepalatschinke im "Mühltalhof".

"G" vom Weingut Gesellmann, Deutschkreuz, Burgenland. 
Eine Cuvee aus Blaufränkisch und St. Laurent.

Das ist eine Konserve.Frischkost gibt es erst wieder ab 08-November.

London Calling


5 Tage London, davon nur 1 Tag Arbeit. Der Rest nur Vergnügen! Passend dazu habe ich von Herrn Paulsens Berichten 1-6 viele Anregungen bekommen, danke sehr!
Wir haben einiges vor: Ausstellungsbesuche, Ausflug nach Hampstead Heath und natürlich viele Pubs und neue und alte britische Küche. 

Hier ein kleiner Vorgeschmack:

Kult-Aschenbecher des St. Johns.  Auf diesen flachen Schüsseln mit den 
fröhlichen Schweinchen serviere ich gerne kleine Snacks.



Das ist eine Konserve.Frischkost gibt es erst wieder ab 08-November.

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