Lightning visit in London am Wochenende. Ausnahmsweise nur H. und ich und gar kein "Biiiieesness" zu erledigen wie sonst. Ein bisschen habe ich mich ja vor dem Vorweihnachtstrubel gefürchtet, aber es war gar nicht schlimm. Gegen jede Prognose schien am Samstag die Sonne, stundenlange Fussmärsche waren daher vergnüglich und endeten nur, um in der Serpentine Galerie die von Konstantin Grcic kurierte Ausstellung Design Real zu sehen oder in einem Pub, um ein oder zwei Bitter zu geniessen.
Wir hatten keine Lust auf pipifeine Restaurants und waren zwei Mal in unserem Lieblingsthai Thai Patara (der in der Maddox Street, das ist der beste und charmanteste!): Green Mango Salad with Crabs, Thai Beef Salad on Grilled Portobellos, Angus Sirloin with Green Curry Sauce and Green Pepper, Grilled Sea Bass on Banana Leaf with Herbs and Red Curry Sauce. Ich möchte so gerne wissen, wie die ihre Grüne Curry Paste machen, ich krieg die nie so herb-erdig-grün schmeckend hin! Inzwischen kennt man uns dort schon, das nächste Mal (im Jänner wieder, aber leider mit "Biiieesness") trau ich mich fragen!
Nachtrag: Hier habe ich eine grüne Currypaste gemacht, war nah am Original!

In der City vermischte sich eine friedlich-fröhliche Klimawandel-Demo mit 20.000 Leuten mit eindeutig noch mehr zu intensivem Konsum entschlossenen Einkaufsbummlern. Riesig Menschenschlangen schoben sich aneinander vorbei, gut gelaunt und trotz Überfüllung höflich. Über diesem Schauspiel thronte mahnend an allen Kreuzungen Jim Carrey als Ebenezer Scrooge, den die Londoner selbstironisch in ihre City-Weihnachtsdeko eingebaut haben.
In einem Pub sitzend, haben wir dann beobachtet, wie ein "Subway" (britischer Fast Food Laden) gegenüber von lustig verkleideten Demonstranten (Elchen, Bäumen, Zebras) und hungrigen Weihnachts-Shoppern gestürmt wurde. Es gibt kein Volk, das so gekonnt auf der Strasse "Papieressen" kann, wie die Briten, nicht mal die Amerikaner können das! Jeder hatte neben den riesigen, in Papiersäcke und -servietten gewickelten Essensportionen (ich konnte nicht erkennen, was gegessen wurde) und Plastikbechern einen riesigen Subway-Plastiksack. Dann versenkten sich die Köpfe in den Papiersäcken, die Münder kauten und schlangen in Windeseile, dann ein Schluck aus dem Becher, ab und zu ein leichter Schritt zurück und der Oberkörper vorgebeugt, zu Vermeidung von fliessenden Säften und Saucen auf Elchgewand, Zebrafell oder Winterpelz. Dezent die Mundwinkel mit der Papierhülle betupft. Becher, Papiersack, Plastikhülle der Sandwiches, Plastikgabeln, -messer, Styroporbehälter - schwupps, alles in den Plastiksack und brav in den Riesenmülleimer vor dem Subway gestopft. Die Klimawandeldemo war damit wohl endgültig vorbei. Das Schauspiel hat mich so fasziniert, dass ich zu fotografieren vergessen habe.